ReviewAlbum

Band
HELLOWEEN 
Kategorie
Album 
Heft
RH #192 
Titel
Rabbit Don´t Come Easy 
Erscheinungsjahr
2003 
Note
9.0 

(61:07)
Wer die Kürbisköppe nach dem famosen Masterplan-Einstand bereits abgeschrieben hat, darf getrost umdenken und sollte einfach mal bedenken, dass die Hanseaten bislang noch nie wirklich schlechte Arbeit abgeliefert haben. "Pink Bubbles Go Ape"? Okay, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Und statt schmutzige Wäsche zu waschen und in Interviews über den vermeintlichen Konkurrenten herzuziehen, antworten die Veteranen mit dem einzig moderaten Mittel: einer starken Scheibe! Klar, mit viel bösem Willen kann man die positiven Vibes, die hier permanent und mit hoher Schlagzahl verabreicht werden, hämisch grinsend als Happy-Metal-Kinderkram abtun. So what? Drauf geschissen! Solange die Chose nur Spaß macht, ins Ohr und in die Beine geht und zum Matteschütteln animiert. Das ist hier exakt 61 Minuten und 7 Sekunden lang der Fall.
HELLOWEEN haben sich zwar nicht neu erfunden, aber ihre kompositorischen Stärken gebündelt und dazu zwei, drei experimentell wirkende Songs an den Start gebracht. Darunter das doomige, wie ein Überbleibsel der "Dark Ride"-Sessions anmutende ´Back Against The Wall´, das vor allem im Refrain an meine erste musikalische Liebe The Sweet erinnernde und mit Pink Cream 69-Elementen liebäugelnde ´Do You Feel Good´ (hell yes!), sowie das herausragende und mit Überlänge gesegnete Epos ´Nothing To Say´, das den krönenden Abschluss der Scheibe markiert. Sonst noch was? Ach ja: Der Großteil des Materials setzt sich natürlich aus hymnischen Speedkrachern (´Just A Little Sign´, ´Hell Was Made In Heaven´ und ´Listen To The Flies´), geilen, mitsingkompatiblen Midtempo-Stampfern (´Open Your Life´, ´Never Be A Star´, ´Sun 4 The World´), einer knallharten Thrashkeule (´Liar´) sowie der obligatorischen, amtlichen Deris-Ballade (´Don´t Stop Being Crazy´) zusammen, die allesamt auf höchstem Niveau angesiedelt sind und von Charlie Bauerfeind mit einem wuchtigen, transparenten Sound versehen wurden.
Die überwiegend aus Skandinavien und Italien stammende und im direkten Vergleich uninspiriert und lahmarschig klingende Konkurrenz kann sich eine dicke Scheibe von den unverschämt frisch und engagiert aufrockenden Genre-Urvätern abschneiden. Fett!


Wolfgang Schäfer 9.0

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