ReviewAlbum

Band
OMEN 
Kategorie
Album 
Heft
RH #122 
Titel
Reopening The Gates 
Erscheinungsjahr
1997 
Note
7.5 

Meine Güte - es muß schon Jahre her sein, daß ich auf ein Album so heiß war wie auf das OMEN-Comeback. Und jetzt muß ich feststellen, daß die Vorfreude unberechtigt war. Allein schon deshalb, weil es schlicht und ergreifend kein OMEN-Album ist, auch wenn die offiziellen Angaben dies energisch behaupten. Außer dem blanken Namen und der Tatsache, daß Kenny Powell am Start ist, verrät "Reopening The Gates" in keinster Weise irgendeine Verwandtschaft mit der Kult-Kapelle, die OMEN in den Achtzigern zweifellos war. Die Kröte, daß der göttlichste (mitnichten der beste) Heavy Metal-Shouter aller Zeiten - natürlich J.D. Kimball - bei diesem "Comeback" nicht das Mikro schwingen würde, haben wir ja schon sehr früh schlucken müssen. Und man muß Kennys 18jährigem Sohnemann Gregg bescheinigen, daß er den Mikro-Job durchaus beachtlich erledigt. Die Enttäuschung ist jedoch, daß von Kennys typischen, rasenden Gitarrenläufen nicht einmal mehr Spurenelemente auszumachen sind. Das Material auf "Reopening The Gates" bewegt sich komplettamente im Midtempo-Bereich, dabei stets bemüht, einen Fuß in die New Age-Metal-Ecke zu wuchten. Die Songs sind nach mehrfachem Hören zwar mehrheitlich alles andere als übel und graben sich nach einiger Zeit sogar nachhaltig ins Gehör ('Chained', 'Crushing Day'), aber Kenny hätte vielleicht mal bei seinen eigenen Nummern 'Into The Arena' oder 'Make Me Your King' nachhorchen sollen, wie schleppender Metal in Perfektion zu klingen hat. Ich denke, die Crux ist folgende: Bei den ersten drei OMEN-Alben, "Battle Cry", "Warning Of Danger" und "The Curse", die allesamt für meinen Geschmack zu den besten 20 Metal-Alben aller Zeiten zählen, war dieser mit einem begnadeten Talent gesegnete Kenny Powell mit vollem Herzen bei der Sache. Danach hat er versucht, den bis dahin ausgebliebenen, großen Erfolg zu suchen - und hat sein Näschen in den Wind gehängt. Daß er seinen Riechkolben schleunigst zu einem Facharzt tragen sollte, ist die eine Sache, daß er sich selber zu verleugnen scheint, allerdings einfach nur traurig, denn grundsätzlich wären ihm immer noch magische Momente am Fließband zuzutrauen. So aber haben wir es einfach nur mit einem von vielen recht guten neuen Metal-Alben zu tun (na ja, angesichts des beschissenen Sounds und der alles andere als superben Songs kann man wohl kaum noch von "recht gut" sprechen - mr). Daß es unter dem Namen OMEN erscheint, halte ich dennoch für bedenklich...


Jan Michael Dix 7.5

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