ReviewDynamit

Band
PANTERA 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #83 
Titel
Far Beyond Driven 
Erscheinungsjahr
1994 
Note
9.0 

"Far Beyond Driven" ist nicht nur PANTERAs technisch anspruchsvollstes, sondern auch mit Abstand mutigstes Album, weil die Jungs hier nie auf Nummer Sicher gehen, sondern gnadenlos (aber ungeheuer treffsicher) auf ihre Instrumente einprügeln und ihren Sound so ständig neuen Extremen zuführen - mit dem Resultat, daß die Scheibe alles andere als leichtverdaulich ist und manchen Hörer im ersten Moment gewaltig vor den Kopf stoßen wird. Man braucht schon mehrere Durchläufe, um dieses unglaublich tighte, an Brutalität kaum zu übertreffende Thrashgewitter zu verarbeiten und zu erkennen, welche musikalische Klasse hinter dieser Soundwand steckt. Zwar sind die gewohnten PANTERA-Trademarks (besonders Darrells Weltklasse-Riffs und Vinnies Monster-Drumming) nach wie vor allgegenwärtig, aber gleichzeitig sind die Songstrukturen sehr viel komplexer geworden. Ein Break jagt das andere, und doch klingt alles wie aus einem Guß, weil die Band inzwischen so perfekt aufeinander eingespielt ist, daß selbst Größen wie Slayer nicht mehr mithalten können. Hört euch nur das traumhafte Zusammenspiel von Schlagzeug, Bass und Gitarre bei Killernummern wie '5 Minutes Alone', 'Strength Beyond Strength' oder 'Throes Of Rejection' an, und ihr wißt, was ich meine. Hier wird alles gnadenlos auf den Punkt gebracht - und doch bleibt genügend Spielraum für die Entfaltung der einzelnen Musiker, die sich in technischer Hinsicht gegenseitig übertreffen. So brutal wie die Musik sind auch Phils Vocals, die wütender und aggressiver nicht sein könnten. Allerdings vermisse ich in gesanglicher Hinsicht - und damit wären wir beim einzigen Manko dieser Scheibe - einen Song wie 'Cemetary Gates' (vom 'Cowboys From Hell'-Album), der zeigt, daß Phil noch viel mehr kann, als er auf 'Far Beyond Driven' zeigt. Zwar ist mit dem Black Sabbath- Cover 'Planet Caravan' auch eine äußerst melancholische Kifferballade enthalten, aber ansonsten machen PANTERA keinerlei Kompromisse. Etwas mehr Melodie, und ich hätte zehn Punkte für "Far Beyond Driven" verteilt - so bleiben immerhin noch neun für die härteste Scheibe seit Slayers "Reign In Blood"!


Götz Kühnemund 9.0

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