ReviewDynamit

Band
HELLOWEEN 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #88 
Titel
Master Of The Rings 
Erscheinungsjahr
1994 
Note
8.5 

Es soll Redaktionen geben, in denen HELLOWEEN-Nachrufe bereits druckfertig in der Schublade lagen. Die dürfen nun locker wieder in den Archiven verstaut werden, denn die Hamburger haben noch einmal die Kurve gekriegt - wenn auch nicht ohne leichtes Umsteuern. Mit dem neuen Shouter Andi Deris hat neben einer bemerkenswerten Stimme auch ein beachtliches Potential an frischer Kreativität in das (einstige?) Flaggschiff deutscher Stahlkochkunst Einzug gehalten. Wenn der unglücklich gewählte Opener 'Sole Survivor' - an sich ein recht schmissiges Gerät, aber mit einem entschieden zu schnulzigen Refrain versehen - an des Hörers Ohr vorbeigezogen ist, breitet sich eine Palette von überraschend munteren Nummern aus, die zuweilen tatsächlich die alten HELLOWEEN wieder aufleben lassen: Da treffen ein gesundes Grundtempo mit flotten Melodien und schräg-humorigen Einlagen zusammen. Als Musterbeispiele hierfür seien nur 'Still We Go' und 'The Game Is On' genannt. Natürlich ist auch an Weikath & Co. manch moderne Strömung nicht spurlos vorbeigezogen, was vor allem 'Mr. Ego (Take Me Down)' deutlich anzuhören ist. An sich ein passables Teil - als fatal könnte sich aber auswirken, ausgerechnet diesen Song als erste Single auszukoppeln. Gerade nach den Wirren der letzten Zeit und dem gefloppten "Chameleon"-Album wäre ein typischer HELLOWEEN-Puster zweifellos angebrachter gewesen - oder aber das absolut schmissige 'Perfect Gentleman', das durchaus das Zeug zu einem Sommerhit gehabt hätte. Dennoch: Die Jungs von der Waterkant haben ein kompaktes und sehr unterhaltsames Album abgeliefert, das sie durchaus dahin bringen könnte, wo sie schon einmal waren und eigentlich auch hingehören...


Jan Michael Dix 8.5

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