ReviewDynamit

Band
HELLOWEEN 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #162 
Titel
The Dark Ride 
Erscheinungsjahr
2000 
Note
8.5 

Die eigene Vorgabe war nicht von Pappe. Große Vorgängeralben wie der grandiose Kracher "Better Than Raw" ('98), das monumentale "Time Of The Oath" ('96) oder das Debüt des nach wie vor stabilen Line-ups mit Andi Deris und Uli Kusch, "Master Of The Rings" ('94), warfen einen respektablen Schatten und weckten bei der verwöhnten Anhängerschaft mächtige Erwartungen. Die deutschen Heavy-Champions behielten die Nerven und lieferten ein Werk ab, das meilenweit über dem True Metal-Einheitsbrei ihrer mehr oder minder bemittelten Nachahmer rangiert, auch wenn traditionell gestrickte Neulinge wie 'Mr. Torture' als "Nachfolger" des Brechers 'Push' sowie 'Salvation' oder 'I Live For Your Pain' nicht ganz an Hämmer und Hooks der Sorte 'Revelation' oder 'Where The Rain Grows' heranreichen. Der handwerklich superb inszenierte Edelstahl fährt seine Punkte für meinen Geschmack denn auch eher mit seinen modernen Neigungen ein. Überragende Highlights als Kontrast zu typisch Dur-geladenen Melody-Speedstern wie 'All Over The Nations' oder 'We Damn The Night' sind - die perfekte Tanzpalast-Hymne 'The Departed (Sun Is Going Down)', ein zischelndes Groove-Monster vom Allerfeinsten, erinnert ein kleines bisschen an Dickinson solo (das Butterkäse-Riff von 'The Alchemist') und - zumindest im Spielaufbau - ein sehr, sehr großes bisschen an W.A.S.P.s '92er Meistersong 'The Great Misconceptions Of Me' - 'If I Could Fly', getragen von einem HIM-ähnlich eingesetzten Pianothema, gekrönt von einem mitreißenden Hook - und 'Escalation 666', das mit schleppend morbider Matratze im Stil von Dream Theaters 'The Mirror' und einer rhythmisch versetzten Chorusline begeistert. Trotz des einen oder anderen Füllers ist "The Dark Ride" ein Album, das man sich problemlos in den Schrank stellen kann. Im Dunkeln verstauben wird das Ding garantiert nicht. Es enthält reichlich Nummern, die immer wieder verlangen werden, dass man mit ihnen die Nachbarschaft auf Trab hält.


Matthias Breusch 8.5

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