ReviewDynamit

Band
A PERFECT CIRCLE 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #157 
Titel
Mer de Noms 
Erscheinungsjahr
2000 
Note
8.5 

"Mer de Noms" klingt wie ein nächtlicher Strandspaziergang am Rande einer pulsierenden Cyberspace-Metropole, wie ein farbenschillernder Dschungel-Trip im vierten Jahrtausend, wie ein Ausflug in jene Welten, die eigentlich einem Devin Townsend vorbehalten sind. Vermischt man dessen grandioses "Ocean Machine"-Album mit der straighten Gitarrenarbeit von Filter und der progressiven von Tool, ist man der Essenz von "Mer De Noms" schon sehr nahe. Die Vergleiche mit letzterer Band sind am offensichtlichsten, da Tool-Sänger Maynard James Keenan bei A PERFECT CIRCLE seine Stimmbänder gewohnt düster-charismatisch in Schwingungen versetzt. Die Songs stammen allerdings aus der Feder von Ex-Nine Inch Nails-Soundtüftler Billy Howerdel, und der steht eher auf melancholisch-sanfte Klanggemälde als auf brachiale Apokalypse-Kracher. So unterscheiden sich A PERFECT CIRCLE von Tool wie "Ocean Machine" von Strapping Young Lad: Im Vordergrund stehen atmosphärische, visuell ausgerichtete Songfundamente, die äußerst geschickt Melodien, Melodien und noch mehr Melodien ins Langzeitgedächtnis des Hörers schmuggeln. Die Bandbreite der Tracks reicht von ruhigen Streicheleinheiten über spannende Science Fiction-Klangreisen bis hin zu harten, aber nie ganz von der Leine gelassenen Metal-Monstern. Einzelne Tracks gesondert hervorzuheben, verbietet sich angesichts des durchgängig sehr hohen Songwriting-Niveaus. Wer die oben genannten Bands mag oder sich an den atmosphärischen Szenen aus "Blade Runner" nicht satt sehen kann, wird "Mer de Noms" heiß und innig lieben.


Michael Rensen 8.5

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