ReviewAlbum

Band
FREI.WILD 
Kategorie
Album 
Heft
RH #372 
Titel
Rivalen und Rebellen 
Erscheinungsjahr
2018 
Note
8.0 

Rookies & Kings/Soulfood (122:12)
Ein Klima, in dem politisch „mittig“ stehende Bands von den Gestalten, die am lautesten schreien und die größte Medien- und Political-Correctness-Maschine hinter sich wissen, mit fadenscheinigen „Argumenten“ als neue Hitlerjugend weggepöbelt werden, macht es unmöglich, ein FREI.WILD-Album halbwegs neutral zu besprechen. Zumal sich die Südtiroler in ihrer Märtyrerrolle pudelwohl fühlen und ihr einen beträchtlichen Teil ihrer Fanbase verdanken. „Viel Feind´, viel Ehr´“ und so... Auch auf „Rivalen und Rebellen“ agiert man mit stolzgeschwellter Brust „zwischen allen Fronten“, fühlt sich „unwillkommen“, ist aber eh „unbrechbar“, „hart an der Grenze und unbequem“, denn „das Feuer brennt, und die Fahne weht im Wind“. Man sieht seinen „Auftrag in der Opposition“, und wenn´s hart auf hart kommt, „bringen wir alle um“. Wer hier aufgrund dieser subjektiv zusammengesuchten Zitate allerdings mehr wittert als ´ne Überdosis zielgruppenorientiertes Underdog-Pathos und schon wieder die Messer wetzt, kann einem leidtun. Schließlich ist es „mein Leben, und das betrifft euch einen Scheiß“, also „fick dich und verpiss dich“.
Ach ja, die Musik: Die großen Hymnen unter den je nach Version - no shit! - 27 bis 33 Songs funktionieren bestens: umgehend mitgrölbar und der deutsch rockenden Konkurrenz in Sachen Schmissigkeit fast immer eine entscheidende Daumenlänge voraus. FREI.WILD haben aber auch ihre fröhlichen Offbeat-Nummern weiter perfektioniert (´Von der Wiege bis zur Bar´) und natürlich nach wie vor melancholisch-fragile Stücke am Start (besonders schön: ´Herz schlägt Herz´, das angenehm an Dritte Wahl erinnernde ´Schau nach oben´ und das als Hidden Track versteckte ´Verbotene Liebe, verbotener Kuss´), die oft mit sympathischen Motivationstexten aufwarten und etwas weniger am Kitsch kratzen als manch ähnliche Nummer aus der Vergangenheit. Wenn man „Rivalen und Rebellen“ ohne Lagerdenken begegnet, legt hier eine Band die Messlatte im deutschsprachigen Rock auf ziemlich imposante Höhen. Wer lieber „Systemmarionetten“ und „Regierungskapellen“ hört, wird das natürlich gar nicht erst merken.


Jan Jaedike 8.0

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