ReviewDynamit

Band
ZEAL & ARDOR 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #373 
Titel
Stranger Fruit 
Erscheinungsjahr
2018 
Note
9.0 

Radicalis/Rough Trade (50:57)
Dem schweizerisch-amerikanischen Doppelbürger Manuel Gagneux ist mit ZEAL & ARDOR eines der originellsten Projekte der Metalszene gelungen, die sich größtenteils leider arg innovationsscheu zeigt. Das Debüt „Devil Is Fine“ ließ bereits mit einem spannenden Crossover aus afroamerikanischen Sklavengesängen und norwegischem Black Metal aufhorchen, enttäuschte allerdings mit einer Low-Budget-Produktion, bei der weder die Black-Metal-Rasereien noch die Gospelchöre richtig zur Geltung kamen. Erst bei den Konzerten konnten die clever arrangierten Stücke ihr volles Potenzial entfalten und ließen die Erwartungen ans Zweitwerk in die Höhe schnellen. Manuel hat auf „Stranger Fruit“ nun fast alles richtig gemacht: Die Produktion wurde professionell angegangen und durch den angenehm rauen Mix von Kurt Ballou ins richtige Licht gerückt. Das Songwriting präsentiert sich breit gefächert und führt immer wieder auf neue, originelle Weise die beiden musikalischen Welten zusammen. Glücklicherweise verfügt Manuel über eine Chamäleon-Stimme, mit der er sowohl die warmen Gospelgesänge als auch das klirrend kalte Black-Metal-Gekreische adäquat umsetzen kann. ´Don´t You Dare´, ´Row Row´ und ´Servants´ besitzen die größten Hitqualitäten, aber auch die meisten anderen Songs brauchen sich nicht dahinter zu verstecken. Nur beim handzahmen ´Gravedigger´s Chant´ scheint der ZEAL & ARDOR-Mastermind der Versuchung erlegen zu sein, ein Lied fürs Radio zu schreiben. Das (sowie einige verzichtbare Interludes) trübt ein wenig den fabelhaften Eindruck eines visionären Werks, von denen die Szene einige weitere nötig hätte, wenn sie ihre kreative Relevanz im Kulturbetrieb weiterhin behaupten will.


Ronny Bittner 9.0

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