ReviewDynamit

Band
LIVING COLOUR 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #365 
Titel
Shade 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
8.5 

Megaforce/H´Art (48:32)
Wenn man eine ehemalige Top-Band in alternativen Kulturzentren oder Jazz-Clubs erleben wollte, lag man bei LIVING COLOUR stets richtig. Nur auf Album-Aufnahmen hatte man, bis auf die passable, aber letztlich mittelmäßige „The Chair In The Doorway“-Scheibe von 2009, offenbar keine rechte Lust mehr. Auch der aktuelle Longplayer „Shade“ war wohl eine Zangengeburt erster Güte. Fünf Jahre werkelte man in sieben Studios an „Shade“, das Resultat ist, wie durch ein Wunder, allerdings ein ganz anderes. Mit vereinten Kräften, Songwritern, Produzenten, Gästen und Freunden hat man wieder ein Album erschaffen, das an die Glanztaten der Frühphase anknüpft. Jeder der 13 Songs hat diesmal seine Berechtigung, Jam-Sessions oder Demotracks, deren Genialität sich nur den Musikern erschließen, landeten im Papierkorb. Ein bisschen verworren ist „Shade“ natürlich immer noch, aber die irren Jazz-Läufe von Vernon Reid und die stellenweise wuselige Verknüpfung mit elektronischen Effekten und Samples waren immer schon Teil der Colour-DNA. Musik für Entdecker auf höchstem Niveau. Die will man als Fan hören und natürlich auch die bissigen Kommentare zu den sozialen Missständen in den USA, die im Trump-Amerika bekanntlich nicht kleiner geworden sind. Sänger Corey Glover präsentiert sich in Höchstform und sorgt mit starken Slogans und Refrains (´Come On´, ´Program´, ´Who Shot ´Ya´) für Eingängigkeit, während Reid den New Yorker Untergrund-Spirit der späten Achtziger reanimiert (´Freedom Of Expression´, ´Pattern In Time´, ´Glass Teeth´). „Shade“ klingt trotzdem nie altbacken und altersmilde sowieso nicht. Das größte Kompliment, das man dem Quartett machen kann, ist die Tatsache, dass die Punk- und Thrash-Wurzeln der Mittfünfziger neben den Blues- und Black-Music-Referenzen immer noch sehr präsent sind. Qualitativ unterscheidet sich „Shade“ vom verheißungsvollen Debüt der Prophets Of Rage nur durchs Produktionsbudget. In puncto Refrains und Einfallsreichtum agieren die New Yorker Urgesteine auf Augenhöhe.


Holger Stratmann 8.5

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