ReviewDynamit

Band
PROPHETS OF RAGE 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #365 
Titel
Prophets Of Rage 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
9.0 

Caroline/Universal (39:35)
Man mag die Aktivitäten der ehemaligen Rage-Against-The-Machine-Mitglieder mitunter allzu plakativ finden, trotzdem sind Tom Morello & Co. der Versuchung widerstanden, allzu schnell mit einem neuen Album die legendären R.A.T.M. zu beerben. Man hat also aus dem Audioslave-Desaster gelernt und ist mit der HipHop-Fraktion Chuck D (Public Enemy) und B-Real (Cypress Hill), die gleich im Doppelpack Zack de la Rocha ersetzt, erst mal auf Tour gegangen. Nach all den Jahren geht es Tom Morello und seinen Freunden wohl immer noch um die Botschaft, weniger ums schnelle Geld. Das Publikum erwartet hingegen nicht weniger als einen Welthit, und den hat man mit ´Unfuck The World´ (und einem Video von Michael Moore) tatsächlich geliefert. Die nicht zu unterschätzende Rolle, wieder die Stimme der Unterdrückten zu sein und ein bisschen musikalischen Trost zu spenden, nimmt man bereitwillig an und hat dafür ohne Zweifel das richtige Album geschrieben.
Der Beginn fällt mit ´Radical Eyes´ fast schon zurückhaltend aus, das Morello-Solo ist allerdings gleich vom Allerfeinsten. Überhaupt spricht einen als Erstes die bärenstarke, sehr natürliche Produktion von Brendan O´Brien an, der das Glück hatte, die beste Groove-Sektion der Szene, Brad Wilk und Tim Commerford, perfekt in Szene zu setzen. Das Anhören der Stereo-Gitarren-Kniffe und gewaltigen Riff-Salven eines Morello unter Kopfhörer fällt allerdings nicht weniger aufregend aus. Eher überraschend ist der feine Seventies-Rocker ´Legalize Me´, dem mit ´Living On The 110´ ein typischer geschmackvoller R.A.T.M.-Groover folgt. Das kurze Zwischenspiel ´Counter Offensive´ leitet ´Hail To The Chief´ ein, bei dem DJ Lord auch mal ein bisschen scratchen darf, ansonsten halten sich die Rap-Stilmittel in starken Grenzen. Die PROPHETS OF RAGE gehen eigentlich als 90-prozentige Rockband mit (sehr gutem) Sprechgesang durch. ´Take Me Higher´ ist eine knackige Funkrock-Nummer mit einem Led-Zep-Riff im Refrain, wie sie die Chili Peppers schon lange nicht mehr schreiben können. Das kraftvolle ´Strength In Numbers´ zeigt den Meister des Gitarren-Effektgeräts erneut in Höchstform. ´Who Owns Who´ präsentiert einen Hit-Refrain wie für einen Action-Thriller. ´Hands Up´ ist ein schöner kleiner Mitmach-Live-Titel, während sich ´Smash It´ fast wie ein politisches Manifest liest. Überhaupt muss man sagen, dass die Botschaften ziemlich clever formuliert sind. Die Band hätte hier in zahlreiche Fettnäpfchen treten können, zieht sich aber bestens aus der Affäre. Ob das hier ein Klassiker wird, kann man in ein paar Jahren endgültig beurteilen. Ein wichtiges, längst überfälliges Album ist es auf jeden Fall.


Holger Stratmann 9.0

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