ReviewDynamit

Band
PARADISE LOST 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #364 
Titel
Medusa 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
8.5 

Nuclear Blast/Warner (43:15)
Haben sie sich neu erfunden, oder gehen sie nur „back to the roots“? Eigentlich ist beides richtig. Auf ihren ersten Alben waren PARADISE LOST eine herzzerreißend sympathische Stümpertruppe von Jugendfreunden, die ein außergewöhnliches Gespür für melancholische Metalsongs hatte. Als man erkannte, wie wichtig ein professionelles Schlagzeug als Basis für eine moderne Rock-Produktion ist, war man bereits bei „Draconian Times“ angelangt und manövrierte sich Schritt für Schritt in den Elektro-Metal. „Medusa“ ist stilistisch nahe an den ersten Platten, schlägt aber mit bleischwer runtergestimmten Gitarren, verzerrtem Bass und einem superfetten Schlagzeug ein ganz anderes Kapitel auf. Zumal sich Nick Holmes einmal mehr als gewiefter Studiosänger präsentiert, der mühelos zwischen erfahrenem Goth-Crooner und Untergrund-Gurgler wechselt. Nach fast 30 Jahren Banderfahrung sind PARADISE LOST alte Hasen, die wissen, was sie tun. „Medusa“ ist ein lupenreines Death-Doom-Album mit dem Anspruch, Weltspitze zu repräsentieren. Und ehrlich gesagt fällt mir zur Zeit niemand ein, der den Engländern in dieser Disziplin das Wasser reichen kann. Der dichte Sound der Platte ist diesmal ein Trumpf sondergleichen, auf dem die zarten Melodien der Herren Holmes und Mackintosh gedeihen wie Gänseblümchen auf einer verlassenen Industriebrache im Frühsommer. Sechs von acht Songs treffen voll ins Pechschwarze, der Rest geht kurz dahinter ins Ziel. Selbst Kritiker der Band, die der Band immer noch ihre Pop-Phase ankreiden, können hier mal wieder ein Ohr riskieren. Metal ist das hier allemal. Es fehlt höchstens ein Hit.


Holger Stratmann 8.5

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