ReviewDynamit

Band
STEVEN WILSON 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #363 
Titel
To The Bone 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
8.0 

Caroline/Universal (59:43)
Nicht dass STEVEN WILSON stets nur den Bekehrten gepredigt hätte, doch mit seinem fünften Soloalbum läuft der Brite erstmals Gefahr, einen Teil seiner Fangemeinde zu verprellen, denn statt beim Label Kscope zu verharren, dessen Veröffentlichungen die zeitgenössische Prog-Szene praktisch vorbehaltlos abnickt, schließt er einen Pakt mit dem Teufel Major. Da sein Blick aber auf ein Pop-Publikum fällt, das es im Grunde gar nicht mehr gibt (Talk Talk und Japan irgendwer?), bleibt er wenigstens bis zu einem gewissen Grad der Exzentriker, als den man ihn seit je wahrnimmt - und das vielleicht zu Unrecht. Auf „To The Bone“ zeigt sich der Künstler nämlich nahbar wie nie - nicht umsonst koppelt er vorab zwei Beziehungsgeschichten aus: ´Pariah´ mit Stammgehilfin Ninet Tayeb und das knisternde ´Song Of I´ mit Sophie Hunger in der Tradition von ´Index´ - und schafft gleichzeitig den Kniff, sich ein Stück weit zur entrückten Kunstfigur im Sinne von Prince oder David Bowie zu machen, deren Tode den Hauptimpuls für die stilistische Ausrichtung gaben. So kommt es, dass dem düsteren Doppel aus ´People Who Eat Darkness´ und ´Detonation´ (einziges überlanges Stück) intelligenter Lala wie ´Permanating´ und ´Song Of Unborn´ gegenübersteht, von dessen unerhörter Eingängigkeit man nicht genug kriegen kann. Gemein ist allen Songs jene inhaltliche und kompositorische Tiefe, für die man den Barden bislang verehrt hat. Experiment „bleibt alles anders“ gelungen? Beim Rezensenten auf jeden Fall.


Andreas Schiffmann 8.0

AMAZONEMPFEHLUNG