ReviewDynamit

Band
SAMSARA BLUES EXPERIMENT 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #361 
Titel
One With The Universe 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
8.5 

Electric Magic/Rough Trade (47:21)
Wirklich progressive Strukturen der Extraklasse findet man in stonerartigen Musikgefilden eher selten, die meisten Bands sind zu bekifft für höhere Mathematik oder das Einprägen einer langen Liste von Einzelteilen mit ihren Grooves, Tempowechseln und Besonderheiten. Insofern muss man vor dem vierten SAMSARA BLUES EXPERIMENT-Album erst mal den Hut ziehen. In dieser organisch klingenden Platte steckt verdammt viel Arbeit. Fünf Songs in fast 50 Minuten, ein Album, in das sich der Hörer reinfuchsen darf. Der Opener ´Vipassana´ ist mit den begleitenden Sitar-Klängen und den lautstarken Zwischenteilen noch die eingängigste Nummer, ein starker Nachfolger für ihren YouTube-Millionen-Hit ´Singata Mystic Queen´. Mit der zweiten Nummer ´Sad Guru Returns´ bekommt man ein mit Sprachsamples eingeklammertes Instrumental-Stück geboten, während ´Glorious Daze´ mit einem aus der indischen Musik inspirierten Intro fasziniert und der Titelsong erst mal neun Minuten ein schönes Basslick auswalzt, bevor die Vocals eine Hard-Blues-Jam einleiten, die man mit wilder Heavy-Ekstase abschließt. Harter Stoff zum Träumen! Nach diesen Räuschen staunt man, dass ´Eastern Sun & Western Moon´ nach siebeneinhalb Minuten fast schon abrupt endet. Erinnerungen an die großen Klassikerbands von Pink Floyd (Kiffermucke!) über Rush (analoge Synths!) und Black Sabbath (Monsterriffs!) bis zu Led Zeppelin (Bonham-Drums & bluesige Page-Gitarren!) werden wach, aber SBE pfeifen auf Hits und „normale“ Rocksongs. Ihr zuweilen meditativ anmutender, dann aber heftig krachender Rock bedient die totale Nische, den ausschweifende Jams liebenden Musiknerd und die besser wissende Kritikereule. Natürlich übertreibt man es maßlos. Damit wird man in Deutschland in der Regel ignoriert und muss arm sterben, aber die internationale Szene wird Querkopf Christian Peters als neuzeitlichen Uli Jon Roth feiern. Man macht Musik um der Musik willen, nicht um zu gefallen. Eine der mutigsten und auffälligsten Platten, die je in diesem Land produziert wurden.


Holger Stratmann 8.5

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