ReviewDynamit

Band
HORISONT 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #357 
Titel
About Time 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
8.5 

Century Media/Sony (37:40)
Man kann das fünfte Album von HORISONT, das bisher beste der Göteborger, völlig unbeschwert hören, ohne sich dabei einen Kopf zu machen, denn die zehn Songs in knapp 38 Minuten sind so konzentriert wie nie zuvor, eher bis an die Grenze reduzierte Jus als gefällige Soße, sie führen das eigene Erbe und vor allem den 2015er Vorgänger „Odyssey“ munter weiter, sie machen einfach Spaß, in erster Linie natürlich wegen eines halben Dutzend veritabler Hits, die, will man die Band denn generell in diese Schublade stecken, dem sogenannten Retro-Rock neue alte Facetten abgewinnen. Aber man kann „About Time“, ohne das alles zwanghaft zu intellektualisieren, auch auf einer Metaebene bewundern, denn die Platte ist eine dermaßen smart zusammengestellte Zitatesammlung, dass alleine das Dechiffrieren der einzelnen Teile das Geld für die Anschaffung wert ist: Klar, ´Point Of Return´ stellt eine einzige Verbeugung vor Rush zu „A Farewell Of Kings“-Zeiten dar, anderes erinnert dagegen eher an Melodic-Rock-Vorläufer von Lynx über Max Webster bis zu Queen und Styx, ´Electrical´ hält man zumindest während der Strophen für ´ne Vini-Poncia-Produktion („Dynasty“, anyone?), die „Sin After Sin“-Schlagseite von ´Letare´ ist bewundernswert echt, und wer ernsthaft anzweifelt, dass bei den Refrains von ´Night Line´ und vor allem ´Without Warning´ die großen Foreigner zwischen „Double Vision“ und „4“ Pate standen, hört auch nicht die Wishbone-Ash- und Ashbury-Parallelen beim Titeltrack. Wem das an Namedropping noch nicht reicht: Blue Öyster Cult sind hier ebenfalls allgegenwärtig, genauso wie die anbetungswürdigen Axe, vor allem auf „Offering“ (1982) und „Nemesis“ (´83) Giganten des melodisch-pompösen Hardrock.


Boris Kaiser 8.5

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