ReviewDynamit

Band
BROILERS 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #357 
Titel
(sic!) 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
9.0 

Skull & Palms/Warner (44:22)
Ist ja nicht so, als hätte ich was gegen deutsche Texte. Im Gegenteil: Ich mag den Wortwitz von Lindenberg, ich liebe die Lakonie von Sven Regener (also Element Of Crime), selbst der kühlen, beinahe arroganten Intellektualität Tocotronics kann ich was abgewinnen. Schwierig wird es dagegen in der Regel im sogenannten „Deutschrock“ oder „Deutschpunk“, stumpf ist nun mal nicht immer Trumpf, und Märtyrertum ertrage ich höchstens in den richtigen Momenten bei den Onkelz. Bei den BROILERS, Punkrocker aus Düsseldorf, ist es dagegen nun so, dass ihre (hier und da durchaus pathetischen) Lyrics nur nicht stören, nein, Frontmann Sammy Amara verfasst immer wieder Zeilen, die aufhorchen lassen, ach: die glücklich machen und bei denen man denkt, man hätte sie gerne selber geschrieben. Natürlich markiert der 37-Jährige hin und wieder den Dicken, aber er hat dabei eine wunderbare Selbstironie - und er bleibt, wie der Rest der Band, politisch und gesellschaftlich hellwach, dreht sich in dem, was er offenbart, also nicht nur ständig um sich selbst. Was die BROILERS dann letzten Endes zur besten Band ihres Genres macht, ist schließlich die genauso gute Musik: Im Vergleich zum 2014er Vorgänger „Noir“, der alles in allem deutlich ruhiger tönte als seine Vorgänger, steht „(sic!)“ wieder in der Tradition von eben „Vanitas“ oder „Santa Muerte“ und flankiert mit ein paar zurückhaltenderen Nummern (´Ihr da oben´, ´Und hier steh´ ich´) sowie zwei Ska-Ausreißern (´Gangster, Gangster´, das tolle ´Zu den Wurzeln´) jede Menge famos komponierte, hochenergetische Hits, die in ihrer Gesamtanmutung einmal mehr - kein Scherz, keine Übertreibung! - dem Besten von Social Distortion locker Paroli bieten.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Checkt einfach ´Nur ein Land´, ´Bitteres Manifest´, ´Die beste aller Zeiten´ und ´Als das alles begann´!


Boris Kaiser 9.0

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