ReviewDynamit

Band
LONG DISTANCE CALLING 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #348 
Titel
Trips 
Erscheinungsjahr
2016 
Note
8.5 

InsideOut/Sony (48:53)
Ich liebe nach wie vor die ersten drei LONG DISTANCE CALLING-Alben, aber bin kein großer Fan der ziemlich verkrampften vierten Platte „The Flood Inside“ von 2013. Bereits die nur in limitierter Form erschienene 2014er EP „Nighthawk“ legte allerdings eine erneute Kurskorrektur nahe, und „Trips“ ist nun tatsächlich der erhoffte Befreiungsschlag nach einer kurzen, nun ja, Schwächephase: Marsen Fischer, auf „The Flood Inside“ noch für die Vocals zuständig, konzentriert sich auf der neuen Platte auf Keyboards und Synthesizer (und ist mittlerweile komplett ausgestiegen), den Gesang übernimmt der alte norwegische Band-Kumpel Petter Carlsen - auf vier von neun Songs. „Vier gewinnt“? Durchaus, denn ´Reconnect´, ´Rewind´, ´Plans´ und vor allem ´Lines´ (Mörder-Refrain!) reüssieren als ziemlich eigenständige Alternative/Prog/Metal-Mischung irgendwo zwischen frühen 30 Seconds To Mars (Achtung: Da waren sie noch gut!), Dredg, Anathema sowie aktuellen In Flames und sind - auch aufgrund der megaklaren, sauteuer klingenden Vincent-Sorg-Produktion - selbst international in ihrem Bereich „state of the art“. Noch besser gefallen - wieder mal - allerdings die Instrumental-Tracks, es ist und bleibt die Königsdisziplin der Münster-Dortmund-Connection: Diese Songs sind in Strecken nicht nur härter und groovy as fuck (´Trauma´), sondern auch psychedelischer (´Flux´), irrer, mutiger und vor allem verspielter, der brillante Opener ´Getaway´ mit seinen geschmackvollen Achtziger-Sci-Fi-Sounds zeugt davon, aber auch das entspannte, im allerbesten Sinne erwachsene ´Momentum´, eines der stärksten Stücke, die LONG DISTANCE CALLING in einem Jahrzehnt Bandgeschichte geschrieben haben. Ein pathetisches „Welcome back!“ wäre sicherlich übertrieben - aber man darf sich ruhig freuen, dass eine der besten deutschen Bands überhaupt wieder ganz bei sich ist.


Boris Kaiser 8.5

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