ReviewDynamit

Band
PRISTINE 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #345 
Titel
Reboot 
Erscheinungsjahr
2016 
Note
9.0 

Für gewöhnlich scheitern Bands, die sich am mannigfaltigen Schaffen Led Zeppelins orientieren, schon im Ansatz kläglich. PRISTINE allerdings gelingt es auf ihrem dritten Album, verblüffend nahe an die Großtaten von Page & Co. heranzukommen. Schon der furiose bluesrockige Opener ´Derek´ lässt Unterkiefer herunterklappen, das nicht umsonst so betitelte ´The Lemon Waltz´ ist eine überaus gelungene Verbeugung vor den Folk-Nummern der Rock-Giganten, und ´All Of My Love´ und ´California´ tönen wie wüste Motorradrennen zwischen den Zeps und AC/DC. Doch die NorwegerInnen haben noch deutlich mehr auf dem Kasten. Sängerin/Songwriterin/Bandchefin Heidi Solheim kann nicht nur wie eine weibliche Ausgabe von Robert Plant, sondern bei Bedarf auch wie Annie Haslam (Renaissance), Grace Slick (Jefferson Airplane) oder Amy Winehouse klingen. Ihre fantastische Stimme ergänzt sich perfekt mit den klangmächtigen Soundteppichen der beiden (!) Hammondorganisten, die Rhythmusabteilung groovt höllisch intensiv, und der Gitarrist schraubt sich ein Zauberriff nach dem anderen aus den Fingern. Die Highlights der in nur vier Tagen fast komplett live eingespielten, zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise schwächelnden Platte sind zwei extrem originelle Epen: Im Soul/Folk-Progger ´Reboot´ öffnet sich der anfangs intim-schmale Klanghorizont immer weiter, bis er den Blick auf endlose, farbenprächtige Landschaften freigibt, während sich das mit einem minutenlangen Gitarrensolo beginnende Psychedelic-Wunderwerk ´The Middlemen´ zu einem erhabenen, kathedralischen Monument voller kristallklarer Schönheit entwickelt. Eine Wahnsinns-Scheibe!


Michael Rensen 9.0

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