ReviewDynamit

Band
KETZER 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #345 
Titel
Starless 
Erscheinungsjahr
2016 
Note
8.5 

Schon klar: Wenn Musiker eine Entwicklung durchmachen und ihren Sound (deutlich) verändern, muss man das als Fan nicht gut finden, wir leben schließlich in einem freien Land. Lächerlich ist allerdings der auch im Falle von KETZER zu beobachtende Furor gewisser, hüstel, „Szene-Gänger“, die meinen, sich die Deutungshoheit über eine Band anmaßen zu können, weil sie in der Lage sind, das Debüt (war eh das Beste) bis auf den letzten Ton mitzupfeifen, oder ihr Anno Tobak mal ´nen schweineraren Patch aus Pythonleder abgekauft haben. KETZER im Speziellen sind nun, seitdem die Single ´Starless´ im Netz kursiert, doofe Hipster aus der Großstadt, Trendreiter sowie unnahbar - und eben nicht mehr die netten Black-Thrasher von nebenan. „Schuld“ daran hat ein deutlich differenzierteres Songwriting, das aktuelle Strömungen aufnimmt, sehr oft gen Goth und Dark Wave lugt und damit beinahe zwangsläufig an die aktuellen Alben von Secrets Of The Moon, In Solitude, Morbus Chron, Grave Pleasures und vor allem Tribulation (mit denen man 2013 auf Tour war) erinnert: Die Gitarren auf allen zehn „Starless“-Songs sind „offen“, progressive Arrangements überwiegen, ruhige Parts haben mehr als Alibi-Funktion, und der (nach wie vor harsche) Gesang vermittelt mehr als Wut und Hass. Nicht immer funktioniert das so gut, dass man die dritte Platte der Kölner in Klassiker-Regionen verorten müsste; in erster Linie der Titeltrack sowie die beiden Hits ´Shaman´s Dance´ und ´Godface´ zeigen aber eindrücklich, dass KETZER tatsächlich genau wissen, wohin sie wollen, und machen schlicht und einfach Lust auf mehr und neugierig auf die Zukunft. Was auch immer uns da erwartet.


Boris Kaiser 8.5

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