ReviewDynamit

Band
SLAYER 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #340 
Titel
Repentless 
Erscheinungsjahr
2015 
Note
8.5 

Nuclear Blast/Warner (41:57)
Was hat man SLAYER nicht alles nachgesagt: Die Band sei ohne Lombardo und Hanneman kreativ am Ende, würde nur noch des Geldes wegen zusammenbleiben und weitere Gehässigkeiten. Die Begeisterungsstürme für die vorab ausgekoppelten Songs hielten sich ebenfalls in Grenzen, die Grundstimmung für das erste Album seit immerhin sechs Jahren war also ganz schön negativ. Man braucht schon Nerven aus Stahl, um da nicht ins Grübeln zu kommen. Diese Bedenken lösen sich aber relativ schnell auf, wenn man „Repentless“ unvoreingenommen in einem Stück durchhört. Die Platte ist von vorne bis hinten ein waschechtes SLAYER-Album, das vom Aggressionspotenzial her von den ersten vier Alben kaum zu unterscheiden ist. Ohne pseudomoderne Studiotricks (und mit natürlichen Drums!) hat die Band noch genug Pfeffer im Arsch, um Legionen angeblicher „harter“ Jungspunde (die laut Personalausweis nur halb so alt sind) auf einen Schlag an die Wand zu spielen. Überraschend ist dabei, dass die bellende Punk-Attitüde des Trios auch ohne Jeff Hanneman zurückgekehrt ist. Gary Holt steuert wohl nur ein paar Leads bei, während King (der es angenehm simpel hält) neben ein paar Hanneman-Demos das Album im Alleingang geschrieben hat. Weniger ist eben manchmal mehr, für das Album ist das eine Wohltat. Tom Arayas Sprechgesang ist fantastisch, und Paul Bostaph befreit sich souverän vom tonnenschweren Lombardo-Erbe. Den ganz großen Glanz einer neuen SLAYER-Hymne kann das Quartett (wie zuletzt) auch diesmal nicht verbreiten, aber man ist sehr oft verdammt nahe dran. Der Großteil des Materials hat ohne Zweifel Live-Potenzial. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Platte zum Ende noch mal Fahrt aufnimmt, das Schlussquartett mir persönlich sogar besser gefällt als der ohnehin schon überzeugende Auftakt. Damit kann man als SLAYER-Fan gut leben.


Holger Stratmann 8.5

AMAZONEMPFEHLUNG