ReviewDynamit

Band
PARADISE LOST 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #337 
Titel
The Plague Within 
Erscheinungsjahr
2015 
Note
7.5 

Century Media/Universal (50:26)
Nick Holmes würde sich wahrscheinlich totlachen: Draußen ist schönstes Frühsommerwetter, keine Wolke am Himmel, und ich quäle mich mit der neuen PARADISE LOST-Platte ab. Im Gegensatz zu den letzten, durchaus abwechslungsreichen und vergleichsweise fast locker-flockigen Alben klingt dieses Ding wie ein digitales Pestgeschwür. Es geht (wie zuletzt immer) um Depressionen, diesmal gesteigert bis zum unvermeidlichen Ende (´Terminal´). Die geradezu „fröhliche“ Zeit der Midlife-Crisis ist also vorbei. Irgendwie schade. Die beiden Songwriter haben über ihre Nebenprojekte (Nick Holmes/Bloodbath, Greg Mackintosh/Vallenfyre) wieder Blut geleckt und den Death- und Doom Metal für sich wiederentdeckt. Mit anderen Worten: Musik, die gelegentlich zum falschen Wetter erscheint. Für sich genommen ist das Album natürlich in Ordnung, vor allem, wenn man sich für die Details interessiert. Die super Gitarrenharmonien des Eingangsriffs von ´No Hope In Sight´ z.B. oder das hochoriginelle Gesangsarrangement im Refrain des bärenstarken ´An Eternity Of Lies´. Immer wieder lassen sich die Altmeister des Gothic Metal in originelle Breaks zurückfallen oder variieren geschickt das Tempo  (´Punishment Through Time´, ´Victim Of The Past´). Das ist mitunter allerdings auch bitter nötig, weil man in der Album-Mitte allzu heftig dem Depressive-Doom (´Beneath Broken Earth´, ´Sacrifice The Flame´) frönt. Ebenso zwiespältig ist angesichts junger, mit Testosteron vollgepumpter Nachwuchsbands der Death-Metal-Einfluss. Während ´Terminal´ noch abgebrühte Eingängigkeit demonstriert, wirken ´Flesh From Bone´ (das machen Triptykon besser) oder ´Cry Out´ vergleichsweise altersschwach. Als gotische Hit-Schreiber waren die Briten nahezu konkurrenzlos, doch dieses Terrain hat man jetzt freiwillig verlassen. Kann sein, dass PARADISE LOST mit „The Plague Within“ ihre Reputation in der Metalszene ein Stück weit wiederherstellen können, ich fand den Vorgänger „Tragic Idol“ trotzdem erheblich besser.


Holger Stratmann 7.5

AMAZONEMPFEHLUNG