ReviewDynamit

Band
MOONSPELL 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #335 
Titel
Extinct 
Erscheinungsjahr
2015 
Note
8.5 

Napalm/Universal (45:39)
Dass die Portugiesen mit ihrem 2012er Doppelpack „Alpha Noir/Omega White“ ihre beste deutsche Chart-Platzierung eingeheimst haben, ist keinesfalls glücklichen Umständen zu verdanken. MOONSPELL laufen seit geraumer Zeit in Richtung Bestform auf und bestätigen diese mit „Extinct“, einem kompakten Zehnerpack ohne künstlerische Ausschweifungen oder Schwächen. Für Abwechslung ist hingegen stets gesorgt, und das liegt allein schon an der überragenden Gesangsleistung von Fernando Ribeiro, der mit zunehmendem Alter als Darkrock-Crooner immer mehr Persönlichkeit entfaltet. Eine Handvoll Death-Metal-Grunts feuern zudem im richtigen Moment die durchweg guten Kompositionen an. Das Ganze wäre allerdings nur halb so gut, wenn Gitarre und Keyboard nicht so hervorragend harmonieren würden. MOONSPELL arrangieren ihre Musik wie absolute Profis und überlassen sich gegenseitig Räume, die immer wieder mit gefühlvollen Einzelleistungen ausgefüllt werden, bevor man kompetent dem bombastischen Metal-Pathos frönt. ´Breathe (Until We Are No More)´ ist ein ungeheuer dynamischer Auftakt, ´Extinct´ hat das Zeug zum Goth-Disco-Hit, und ´Medusalem´ klingt wie eine Kollaboration mit Orphaned Land. Für ´Domina´ schaltet man romantisch einen Gang zurück, während ´Funeral Bloom´ (flott) und ´The Future Is Dark´ (atmosphärisch) Postpunk-Elemente mit cleanen Delay-Gitarren ins ansonsten knackig rockende Album integrieren. Mit ´La Baphomette´ widmet man, dem pessimistischen Unterton der Texte folgend, dem pechschwarzen französischen Chanson eine kleine Hommage. Ein gelungener Abschluss für ein starkes Album, das nur knapp daran vorbeischrammt, bereits als zeitgenössischer Genre-Classic wahrgenommen zu werden.


Holger Stratmann 8.5

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