ReviewDynamit

Band
ORPHANED LAND 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #314 
Titel
All Is One 
Erscheinungsjahr
2013 
Note
8.5 

Century Media/EMI (54:24)
ORPHANED LAND machen es sich, Kritikern und Hörern nicht gerade leicht. Während der Vorgänger „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ ein schwer verdauliches Füllhorn von kreativen Ideen darstellte, präsentiert man auf „All Is One“ spürbar knapper arrangierte Songs, die zum Teil sehr schnell ins Ohr gehen. Bestes Beispiel ist das hymnenhafte Titelstück, ein genialer Ein-Riff-Song, dessen orientalische Melodieführung größtenteils von klassisch ausgebildeten Sängern und einem halben Streichorchester übernommen wird. An dieser „bombastischen“ Herangehensweise, die sich durch das komplette Album zieht, werden sich die Geister scheiden, so viel ist jetzt schon klar. Ja, es wird ganz schön dick aufgetragen (für meinen persönlichen Geschmack hätte es weniger sein dürfen), aber auch das muss man erst mal gekonnt in Szene setzen.
ORPHANED LAND und ihr Produzent Jens Bogren haben es geschafft, jede Stimme und jeden Ton perfekt unterzubringen. Kobi Farhi hat sich vom ehemaligen Death-Metal-Grunzer zu einem respektablen Sänger gemausert, der mit viel Gefühl großartige Texte und Melodien hervorbringt. Eine straffe Nummer wie ´Simple Man´ mit einer wunderbaren orientalischen Melodie wäre vor Jahren noch undenkbar in der Rockwelt gewesen. Auch die tiefschürfende Ballade ´Brother´ ist beeindruckend. Dass danach mit ´Let The Truce Be Known´ nochmals auf die Pathosdrüse gedrückt wird, ist ein bisschen unnötig, zumal die Platte mit ´Through Fire And Water´ (einer Art Intro zur rauen Anklageschrift ´Fail´) nur schwer wieder in Schwung kommt. Das Instrumentalstück ´Freedom´ ist eine beabsichtigte Zäsur, ehe mit den hebräischen ´Shama´im´ (Folk) und ´Ya Benaye´ (schwer rockender künftiger Live-Hit) zwei starke Fremdkompositionen dem Album weitere Facetten hinzufügen. Mit ´My Own Messiah´ und ´Children´ lässt man die Platte mit einem selbstbewussten (anti-)religiösen Statement und einer Anklage gegen kriegerische Auseinandersetzungen ausklingen.
Harten Metal sucht man auf der Platte diesmal (fast) vergeblich, dafür bekennt man sich umso mehr zu klassischen Musikformen des Orients. ORPHANED LAND haben sich zu einer orchestral komponierenden Rockband gemausert, die keine Angst vor Risiken hat und deren musikalisches Schaffen stets im Kontext mit den engagierten Texten zu sehen ist. Ob das nun noch „richtiger“ Metal ist oder nicht, ist mir dabei ziemlich schnuppe. Es ist originell und eine angenehme Abwechslung zum Szene-Einheitsbrei.


Holger Stratmann 8.5

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