ReviewDynamit

Band
OPETH 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #293 
Titel
Heritage 
Erscheinungsjahr
2011 
Note
8.5 

Roadrunner/Warner (57:05)
Radikale Stilwechsel nach über 20 Jahren Bandgeschichte sind eigentlich noch nie gut gegangen. Im Falle von OPETH wird dieser Schritt vom Großteil der Fans aber vermutlich mitgetragen. Death-Metal- und Blastbeat-Attacken als künstlerischer Kontrast zur exzellenten ruhigen Seite der Band, dieses Stilmittel hatte sich irgendwann abgenutzt. Und damit die Growls. Stattdessen gibt´s Mikael Åkerfeldts sagenhaft gefühlvollen Gesang über die volle Spielzeit, ohne Zweifel einer der großen Pluspunkte von „Heritage“. Ein Sonderlob auch für den extrem trockenen, hochdynamischen Sound des Albums. Ist nicht alles nach meinem Geschmack, und über die eine oder andere Idee von Mischer Steven Wilson lässt sich streiten, aber die Richtung stimmt: Mehr Natürlichkeit und Tradition, orientiert an den Wurzeln der Rockgeschichte, haben noch nie geschadet.
Zunächst ist man höchstens schockiert, dass die Platte verhältnismäßig ruhig ausfällt, was daran liegt, dass das schnelle Material wie ´Slither´ (die perfekte Rainbow-Hommage mit nachempfundenem Blackmore-Solo) und ´The Lines In My Hand´ in Windeseile abgehandelt wird, während ruhigere Titel wie ´Häxprocess´ oder ´Famine´ beinahe ausufernde, kaum noch zu überblickende Arrangements enthalten. Und obwohl jede einzelne Stelle des Albums sehr gut gemacht ist, kann unter den zahlreichen Intros, Übergängen und Leerstellen durchaus Ungeduld aufkommen. Mitunter wirkt die Platte ein wenig zu verkopft und zusammengeflickt. Mit ´Folklore´ und ´Famine´ bin ich bis heute nicht richtig warm geworden. Ein wenig mehr Spannung und Spielfluss hätten hier Wunder gewirkt.
Dass „Heritage“ grundsätzlich ein künstlerisch ambitioniertes Album zum Zuhören ist, stellt für echte OPETH-Fans hingegen überhaupt kein Problem dar. Vorteil Åkerfeldt: Das Album legt man nicht so einfach zur Seite, die Platte will erarbeitet werden und wird in den herannahenden Winternächten sicher noch öfter zum Einsatz kommen. Der Beginn ist unumstritten stark: Nach dem Pianothema ´Heritage´ folgt der flotte Progrocker ´The Devil´s Orchard´, ehe mit ´I Feel The Dark´ Akustikgitarren auf heftige Black-Sabbath-Einschläge treffen. Die funkigen Jazz-Grooves in ´Nepenthe´ dürften für manchen Metaller hingegen gewöhnungsbedürftig sein, aber darin liegt ja auch der Reiz dieses Experimentierkastens.
Ein interessantes Album mit leichten Schwächen, das OPETH in Zukunft mit homogenerem Songwriting allerdings noch übertreffen sollten.


Holger Stratmann 8.5

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