ReviewDVD - Musik

Band
ULI JON ROTH 
Kategorie
DVD - Musik 
Heft
RH #357 
Titel
Tokyo Tapes Revisited - Live In Japan 
Erscheinungsjahr
2017 
Note

(UDR/Warner)
Im Februar 2015 hat sich ULI JON ROTH vor der drohenden Schließung der Nakono Sun Plaza Hall noch einmal den Traum erfüllt, an den Aufnahmeort des legendären „Tokyo Tapes“-Albums der Scorpions zurückzukehren. Natürlich mit seinem „Scorpions Revisited“-Live-Programm, mit dem der Hannoveraner Gitarren-Weltstar in den letzten Jahren unerschrocken auch durch kleinste Clubs tingelte. Es scheint also eine echte Herzensangelegenheit zu sein. Auch in Tokio verzichtet man auf opulente Bühnendekorationen. Instrumente, Amps und Theaterlicht genügen, die Musik steht im Vordergrund. Im Falle des 62-Jährigen, der so quirlig und virtuos wie ein 30-Jähriger musiziert, ist das mehr als angemessen. Es ist ein Genuss, Roth in jeder Sekunde dieser DVD zuzusehen. Selbst sein mit Tremolo inszenierter Sololärm, bei anderen Gitarristen normalerweise ein Selbstgänger für eine Pinkelpause, lässt einen den Atem anhalten. Umso mehr fällt auf, dass seine Mitstreiter hier bestenfalls nur mitschwimmen, aber nicht auf Augenhöhe dagegenhalten können. Das ist selbstredend kein Vorwurf an die halb so alten Jungs von Crystal Breed, die sich musikalisch blitzsauber aus der Affäre ziehen. Dass sich Zweitsänger Niklas Turmann an das einst 1978 von Klaus Meine intonierte japanische Volkslied ´Kojo No Tsuki´ heranwagt (und die Aufgabe meistert), nötigt sogar großen Respekt ab. Die Fußstapfen von „Tokyo Tapes“ sind halt riesengroß. Die Kritik richtet sich eher an den Hauptsänger Nathan James, der mit seiner souligen Rockröhre zwar einigermaßen punkten kann, aber ansonsten blass bleibt und so wirkt, als könne er am nächsten Tag in einem Tokioter Kaufhaus genauso gut Damenstrümpfe anpreisen. Unterm Strich ist „Tokyo Tapes Revisited“ eine etwas zu biedere Nostalgie-Show für daheimgebliebene Roth-Fans, die von der bärenstarken Setlist mit wenig strapazierten Klassikern wie ´Dark Lady´, ´Pictured Life´ oder ´Fly To The Rainbow´ lebt.


Holger Stratmann

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