ReviewDVD - Musik

Band
LITA FORD 
Kategorie
DVD - Musik 
Heft
RH #349 
Titel
Living Like A Runaway 
Erscheinungsjahr
2016 
Note

(Dey St.)
„Könnten Sie bitte die Musik etwas leiser machen? Im Nebenzimmer stirbt gerade jemand.“ LITA FORD, 18 Jahre alt, hört mit maximaler Lautstärke Black Sabbaths ´Children Of The Grave´. Nach einem Sexunfall mit einem texanischen Cowboy liegt sie in einem Tokioter Krankenhaus und ist gerade mit 14 Stichen im Genitalbereich genäht worden. Ihre bisexuell orientierte Bandkollegin Cherie Currie ist noch minderjährig, hat aber bereits eine Abtreibung hinter sich. „Too much, too soon.“ Kurz vor dem Auftritt im Budokan ist das Pulverfass namens The Runaways explodiert. Sängerin Currie und die hypochondrisch veranlagte Bassistin Jackie Fox kehren der Band im Jahre 1976 nach nur zwei Studioalben bereits wieder den Rücken. Die Manipulationsstrategie von Manager Kim Fowley hat speziell Currie in den Drogenwahn getrieben. Einzig und allein LITA FORD behält einigermaßen den Durchblick. In ihrer schonungslos ehrlichen, aber im Gegensatz etwa zu Nikki Sixx´ „Heroin-Tagebüchern“ sprachlich eher zurückhaltend erzählten Autobiografie gefällt sich die blonde Gitarristin in der Rolle der musikalischen Anführerin bei den Runaways. Was Joan Jett wohl davon halten mag?
Das bis dato nur als amerikanische Originalausgabe erhältliche Buch „Living Like A Runaway“ übt sich über weite Strecken in Understatement. Lita befindet sich nicht auf der Suche nach neuen Superlativen: Der Sex mit Ritchie Blackmore war weniger aufregend als seine Gitarrenkunst, die Neugierde auf Dee Dee Ramone endete für Frau Ford mit „krabbelnden Kleintieren im Dschungel der Schambehaarung“. Besonders der zurückhaltende Erzählton macht „Living Like A Runaway“ zu einem riesigen Lesevergnügen. Geradezu wohltuend wirkt sich die Abwesenheit von Machismo-Gehabe aus.


Matthias Mader

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