ReviewDVD - Musik

Band
STATUS QUO 
Kategorie
DVD - Musik 
Heft
RH #318 
Titel
Back2SQ1 – Live At Wembley 
Erscheinungsjahr
2013 
Note

(earMUSIC/Edel)
„Live At Wembley“ ist der beste Beweis dafür, dass sich Live-Erlebnisse nicht ohne Weiteres reproduzieren lassen, auch wenn ein Konzert mit zig Kameras abgelichtet wird und der Sound über alle Kritik erhaben ist. Allein die Aufregung, die „Frantic Four“ nach über 30 Jahren Funkstille noch einmal live sehen zu können, war für die meisten Augenzeugen dieser rein englischen Neun-Gig-Reunion bereits zu viel des Guten. Hastig wurden in den umliegenden Pubs die Gläser geleert, die Vorband ertragen und das Tour-Merchandise mit zum Teil legendären Motiven geplündert, ehe der Vorhang fiel und ´Junior´s Wailing´ in ohrenbetäubender Lautstärke in den Saal krachte. Die anschließenden 90 Minuten Headbanging zum legendären STATUS QUO-Shuffle-Groove sorgten dafür, dass man gar keine Gedanken daran verschwendete, dass eine Handvoll Songs (z.B. ´Is There A Better Way´) – verglichen mit 1977 – viel zu langsam gespielt wurden. Man bekam natürlich mit, dass Alan Lancaster aufgrund seiner Krankheit erhebliche motorische Schwierigkeiten hat, aber die Mehrzahl der Fans dürfte das mit Tränen der Rührung als tragische Tatsache der Wiedervereinigung verarbeitet haben. Auf der DVD schaut man hingegen viel zu oft in die Gesichter von alten Männern und begreift, dass diese Tour mindestens zehn Jahre zu spät kommt. Die Garanten der Show sind nun mal Francis Rossi (starke Soli) und der bei dem alten Songmaterial stets aufblühende Rick Parfitt, während sich John Coghlan und Alan Lancaster mitunter ein wenig durch den Set quälen. Zum Glück bekommt man in der zweiten Hälfte wenigstens eine Idee von der einstigen Qualität dieser Weltklasse-Band, die mit ihrem dynamischen Zusammenspiel jede Halle zum Kochen brachte. Ein besonderer Höhepunkt für beinharte Fans ist neben den klassischen Tracks des legendären Livealbums ganz sicher der Abschnitt mit diversen Songs der Frühwerke. Für die vielen Fans weltweit, die diese Shows verpasst haben, ist „Live At Wembley“ eine gute Gelegenheit, das Konzert zumindest auf der Mattscheibe nachzuholen. Ein jüngeres Publikum, das auf den neuen Vintage Rock abfährt, wird man damit aber wohl kaum ansprechen können.


Holger Stratmann

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