ReviewDVD - Musik

Band
JANE'S ADDICTION 
Kategorie
DVD - Musik 
Heft
RH #317 
Titel
Live in NYC 
Erscheinungsjahr
2013 
Note

DVD des Monats
(Universal)
Im Interviewteil dieser Live-DVD beschreibt Perry Farrell ziemlich selbstbewusst die Vision, die ihm in den Anfangstagen von JANE´S ADDICTION vorschwebte. Eine Mischung aus Punk und Led Zeppelin sollte es sein mit dem bescheidenen Ziel, eines Tages eine ewige Rocklegende geschaffen zu haben. „Drunter ging es nicht, bei den fantastischen Musikern.“ Er meint damit natürlich seine Mitspieler: den kraftvollen Polyrhythmiker Stephen Perkins am Schlagzeug (quasi Neil Peart in zehn Jahre jünger) oder den L.A.-Gitarrengott Dave Navarro, dessen Mischung aus Rock´n´Roll und Psychedelia einen Slash klar in den Schatten stellt. Und wenn man sich die DVD anschaut, kann man auch die Präzision und den durchsetzungsstarken Sound eines Chris Cheney bewundern, der den Originalbassisten Eric Avery bestens ersetzt. Und Farrell? Der sieht in der Mitte seines Lebens bewundernswert gut und gesund aus, die James-Dean-Frisur und die modischen, aber letztlich biederen Klamotten irritieren aber. Das divenhafte, androgyne Auftreten in Lack und Leder wird vermisst, dafür räkeln sich zwei knapp bekleidete Girls vor den Kameras, und der originelle Gesangsstil sitzt wie eine Eins. Bei vielen hohen Passagen singt Perry eine Oktave tiefer, geht auf Nummer sicher. Überhaupt ist die Performance so, wie man es bei einer Band mit dem Prädikat „Weltklasse“ erwartet. Nur dem Mixer gehört der Arsch versohlt, dass er Navarro nicht lauter gedreht hat. Zumindest darf man das als Navarro-Anhänger so sehen.
Die Setlist kann sich sehen lassen. Mit ´Ain´t No Right´, ´Just Because´, ´Been Caught Stealing´, ´Ocean Size´, ´Stop!´ und ´Mountain Song´ sind so gut wie alle Songs dabei, die man als JANE´S ADDICTION-Fan erwartet. Höhepunkte sind selbstredend die dynamisch-verspielten Longtracks ´Ted, Just Admit It´ und ´Three Days´. Beim Abschlusstitel ´Jane Says´ regnet es Konfetti und Luftballons in einem Ausmaß, dass man sich um die „Best Ager“ im Publikum Sorgen wegen Erstickungsgefahr machen muss. Man kann die Uhr nicht zurückdrehen. JANE´S ADDICTION sind heute weniger gefährlich als früher, aber immer noch das beste Zeugnis der Alternative-Musik der Neunziger.


Holger Stratmann

AMAZONEMPFEHLUNG