ReviewDVD - Musik

Band
TERRORGRUPPE 
Kategorie
DVD - Musik 
Heft
RH #312 
Titel
Sündige Säuglinge hinter Klostermauern... zur Lust verdammt 
Erscheinungsjahr
2013 
Note

(Destiny)
Zum Abschied lässt es die TERRORGRUPPE noch einmal richtig krachen. Kern dieses Pakets ist eine zweistündige Doku, in der die diversen Mitglieder, das engere Umfeld, Zeitzeugen und Kollegen wie Die Ärzte, Beatsteaks, Muff Potter oder Die Kassierer die Bandgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen noch einmal aufleben lassen - und das mit Bier, aber ohne Ernst. Die Partei-Engagements für die KPD/RZ und die APPD werden beleuchtet, die Entstehung des Spuck-Rituals wird erklärt, das Bandmobil „Musch“ wird vorgestellt, und grandiose Geschichten wie die des geliehenen Kindes, das für den Videodreh von ´Kinderwahnsinn´ bis zum Erbrechen mit Eis bei Laune gehalten wurde, werden erzählt. Sehr schön auch die Story über Lagwagon-Roadie Max, der in der Sitzecke des Nightliners ins Koma fiel und dann von der Band mit runtergelassener Hose und Kondom im Hintern „präpariert“ wurde - guten Morgen! Der Bandname war ebenfalls für die eine oder andere Anekdote gut (so löste er auf dem Münchner Flughafen einen Bombenalarm aus, weil Tickets für die TERRORGRUPPE hinterlegt wurden), brach dem Haufen letztendlich aber das Genick. Nachdem die Jungs zuvor durch diverse Talkshows von „Arabella“ über „Pilawa“ bis „Vera am Mittag“ tingelten, gab es nach dem 11. September nämlich kaum noch Medienpräsenz, und auch die Booking-Anfragen gingen merklich zurück. Eine Schadenersatzklage gegen Osama bin Laden blieb wider Erwarten erfolglos.
Mit Storys wie diesen lernt man die Band und vor allem ihre unglaublich echte Punk-Attitüde kennen. Schlagfertige Rotzlöffel von der Straße - Billig-Bier, Speed und scheiß auf alles! Dass viele Bilder nach verrauschten VHS-Tapes aussehen, ist in diesem Fall eher charmant als störend. Flankiert wird die Doku von einer Bonusstunde Livematerial aus den Jahren 1995 bis 2004 sowie der CD „Nachtisch - Halbstark in Kreuzberg“, die 74 Minuten lang rare und unveröffentlichte Songs bietet, die sowohl musikalisch als auch in puncto Wortwitz durchaus das Niveau der regulären Platten erreichen. Die TERRORGRUPPE ist schuld, dass ich so bin. Danke dafür!


Marcus Schleutermann

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