ReviewBuch

Kategorie
Buch 
Heft
RH #368 
Titel
Der letzte Highway - Die unerzählte Geschichte von Bon Scott und AC/DC 
Erscheinungsjahr
2017 
Note

Jesse Fink
(Hannibal)
Jesse Fink pokert hoch. Sehr hoch sogar. Sein Buch erzähle „die wahre Geschichte“ der letzten Lebensjahre von Bon Scott und spräche „für sich selbst“. Nun, Fink ist nicht der erste „investigative“ Journalist, der sich ausführlich dem Leben und vor allem den genauen Todesumständen des beliebtesten AC/DC-Sängers widmet. Vor ihm taten dies u.a. Clinton Walker mit seiner viel beachteten Abhandlung „Highway To Hell“ sowie Paul Stenning („Two Sides To Every Glory“) und auch Neil Daniels („AC/DC – The Early Days With Bon Scott“). Zugegeben, Fink gräbt auf satten 575 Satten ausgesprochen tief und präsentiert eine Vielzahl neuer Quellen und Interviewpartner. Wie verlässlich die Aussagen von losen Bekannten, Groupies und Trinkpartnern von Bon Scott aus der Zeit der ersten Nordamerika-Tourneen von AC/DC Ende der siebziger Jahre wirklich sind, steht allerdings zur Diskussion. Zwar verhärten sich so manche Verschwörungstheorien (oftmals mithilfe anonymer Informanten), bleiben am Ende des Tages aber lediglich genau das: nicht eindeutig zu belegende Hypothesen. Fink stellt nicht allein die Medienpolitik des Young-Clans an den Pranger, was sein gutes Recht ist. Manchmal geht der Autor allerdings einen Schritt zu weit und kehrt Fakten, die nicht in sein Argumentationsmuster zu passen scheinen, auch mal ziemlich nonchalant unter den Tisch. So etwa heißt es an einer Stelle: „Vorausgesetzt, sie müssen sich nicht an Stillschweigevereinbarungen halten, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt, können sowohl Brian Johnson als auch der frühere Bassist Cliff Williams, nachdem sie nun die Band verlassen haben und deren Zukunft in den Sternen steht, schon bald ihre Memoiren vorlegen.“ Ganz übersehen, dass ebenjener Brian Johnson im Jahre 2009, also noch während seiner Zeit bei AC/DC, seine („automobile“) Autobiografie namens „Rockers And Rollers“ publiziert hat? Eben jenen Brian Johnson scheint Fink ganz besonders auf dem Kieker zu haben, denn die Behauptung, die Lyrics des Albums „Back In Black“ stammten zum überwiegenden Teil noch aus der Feder von Bon Scott, zieht sich wie ein roter Faden durch „Der letzte Highway“. Allein, Fink bleibt einen wirklich stichhaltigen Beweis schuldig. Aufgrund der immensen Datenmenge gehört der nüchtern aufgemachte Schmöker ohne Frage in jede gut sortierte Rock-Bibliothek. Mit Kritik an AC/DC spart das (von der Band nicht autorisierte) Buch keineswegs, was durchaus legitim ist, dennoch sollte man als Leser eines nicht vermissen lassen, nämlich auch den Ansatz des Autors gebührend kritisch zu hinterfragen.


Matthias Mader

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