ReviewBuch

Kategorie
Buch 
Heft
RH #359 
Titel
BERLIN, PUNK, PVC 
Erscheinungsjahr
2017 
Note

Gerrit Meijer
(Neues Leben)
West-Berlin. Eingemauert. PVC. Die erste Punk-Band der Republik? Eine strittige These, denn gemeinhin wird Big Balls & The Great White Idiot aus Hamburg, gepimpt durch einen Majorvertrag bei der Teldec, dieses Attribut zugeschrieben. Unstrittig ist allerdings der Umstand, dass PVC-Gründer Gerrit Meijer (Jahrgang 1947) eine interessante Geschichte zu erzählen hat: etwa von den ersten Beat-Bands der Stadt, zerlegten Veranstaltungsorten (der Sportpalast bei Bill Haley, die Waldbühne bei den Stones) oder den Studentenunruhen Ende der Sechziger. Die sprachliche Eloquenz eines Peter Hein, Fehlfarben-Sänger und wohl der großartigste schreibende Musiker des Landes, geht Meijer zwar ab, aber sein schnoddriger Nihilismus besitzt dafür eine ganz eigene Note. Das passt wiederum wunderschön zur Rezeption seiner Band PVC (´Wall City Rock´, ´Eva Braun Is Back In Town´), die im West-Berlin der achtziger Jahre auch nicht immer wohlgelitten war. Ein bisschen Jägerlatein muss man „Berlin, Punk, PVC“ zugestehen: Meijer hing mit dem ersten Punk der Stadt ab, war auf der ersten Punk-Party und natürlich selbstredend Stammgast des ersten Punk-Clubs. Ein Anflug von übersteigertem Selbstbewusstsein, nicht gerade unüblich für gebürtige Hauptstädter. Das kurzweilige Buch schwelgt zuweilen ein wenig zu aufdringlich in Westalgie, die komplette Nachwendezeit wird etwas lustlos auf ein paar Dutzend Seiten am Ende zusammengerafft. Dennoch: Wer sich aus erster Hand über die ursprüngliche Punkszene der „Wall City“ informieren will, ist mit der Lektüre von „Berlin, Punk, PVC“ bestens beraten. Ein Vorwort von Bela B wäre gar nicht unbedingt zwingend notwendig gewesen.  


Matthias Mader

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