ReviewBuch

Kategorie
Buch 
Heft
RH #358 
Titel
SNAKES AND LADDERS: A ROCK´N´ROLL ODYSSEY TO WHITESNAKE 
Erscheinungsjahr
2017 
Note

Micky Moody
(Music Press Books)
Die Autobiografie von Micky Moody ist DIE Überraschung der letzten Jahre! In erster Linie liegt das allerdings nicht am Plot des Buches, denn auch wenn es bei den ursprünglichen, mit englischen Musikern besetzten Whitesnake selbst in den frühen Tagen durchaus zu Ausschweifungen gekommen ist, so macht Moody keinerlei Anstalten, auf Teufel komm raus den Faden von Mötley Crües „The Dirt“ aufnehmen zu wollen. Vielmehr beweist der überzeugte Hutträger über die gesamte Distanz von 342 Seiten, dass er mit der Computertastatur genauso versiert umzugehen vermag wie mit seiner Gitarre. Vielen Nordengländern ist dieser unverkennbar trockene britische Humor in die Wiege gelegt worden – eine Mischung aus intendiertem Understatement und leichtfüßiger Selbstironie. Moody (geboren in Middlesbrough) ist ein wahrer Meister dieser Kunst. Zudem hat der ehemalige Whitesnake-Gitarrist, der, ganz nebenbei bemerkt, absolut stilprägend für das Frühwerk der Band um David Coverdale war, ein untrügliches Gespür für Situationskomik. Beide Faktoren zusammengenommen machen die Lektüre von „Snakes And Ladders: A Rock´n´Roll Odyssey To Whitesnake“ zu einem wahren Fest. Wenn Moody etwa den Duft beschreibt, eine Mischung aus altem Holz und abgestandenem Schweiß, der ihn beim Öffnen des Gitarrenkoffers seiner ersten, vom angesparten Taschengeld gekauften Second-Hand-Gitarre überwältigt, blickt der Leser tief in die Psyche eines passionierten Vollblutmusikers. Aufgrund der engen Marktnische ist mit einer deutschsprachigen Lizenzausgabe kaum zu rechnen – was in diesem speziellen Falle ausgesprochen schade ist.


Matthias Mader

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