ReviewBuch

Band
SCORPIONS 
Kategorie
Buch 
Heft
RH #357 
Titel
WIND OF CHANGE - DIE SCORPIONS STORY 
Erscheinungsjahr
2017 
Note

Martin Popoff
(Hannibal)
Nun ja, der Kanadier Martin Popoff mag (aus der Fernsicht) gute Gründe gehabt haben, seine Bandhistorie der SCORPIONS „Wind Of Change“ zu taufen. Näher an der Heimat lässt ein derartiger Titel – das dröge Klischee vom „Soundtrack für die deutsche Wiedervereinigung“ wird sogleich reflexartig im Klappentext reproduziert – ein Bias zugunsten der Mainstream-Phase der SCORPIONS befürchten. Die wie immer äußerst akribische Vorgehensweise Popoffs (der Dutzende von Interviews mit den verschiedenen Bandmitgliedern geführt hat) räumt derartige Bedenken allerdings aus. Die Informationsdichte ist gewohnt hoch (leider aber besteht auch hier wieder der Fototeil lediglich aus ein paar unspektakulären Live-Aufnahmen). Popoff hangelt sich, auch das ist keine Überraschung, an der Zeitleiste entlang und lässt sämtliche Alben und alle Songs nacheinander noch einmal Revue passieren – auf dramaturgische Kniffe, einen Spannungsbogen oder gar überraschende Wendungen sollte man also besser nicht hoffen. Dafür hat der Übersetzer Paul Fleischmann ein kleines Sonderlob verdient, denn es ist wahrhaftig kein Kinderspiel, Popoffs adjektivisch geprägte Lingua unfallfrei ins deutsche Idiom zu überführen. Bis auf ein paar kleinere Kollateralschäden in Form von schrägen Wortbildern („der große Marshall-Sound ist wie ein wilder Hengst“) brennt nicht viel an. Lediglich die nachgeschobenen Kurzkritiken aller SCORPIONS-Alben von Gastautor Daniel Böhm sind komplett überflüssig.
„Wind Of Change“ stellt nach „Deutschlands erfolgreichste Rockgruppe“ aus dem Jahre 1980 (Prädikat: essenziell), „Rock Your Life“ von Rudolf Schenker (abgefahren!) und Herman Rarebells „And Speaking Of Scorpions...“ (krude) eine willkommene Erweiterung der recht überschaubaren SCORPIONS-Bibliothek dar.


Matthias Mader

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