ReviewBuch

Band
HARLEY FLANAGAN 
Kategorie
Buch 
Heft
RH #354 
Titel
Hard-Core – Life Of My Own 
Erscheinungsjahr
2016 
Note

(Feralhouse)
Fights & Drugs & Rock´n´Roll! Lediglich beim Sex hält sich Harley Flanagan weitgehend zurück, vielleicht weil seine Frau das Lektorat dieses Buches übernommen hat. Ansonsten haut der Cro-Mags-Gründer dermaßen auf die Kacke, dass man froh ist, ihm zumindest in den achtziger Jahren nicht über den Weg gelaufen zu sein. Egal ob als Punk, Skinhead, Hardcore-Kid, langhaariger Junkie oder Krishna-Devotee: Flanagan prügelt sich dermaßen asozial durch den Big Apple, dass die derbsten Hools dagegen wie adrette Schwiegersöhnchen wirken. Das Getto-Gör verzapft mit acht seine erste Vollrausch-Randale und wird als weißer Kid-Punk so lange von Puerto-Ricaner-Gangs verdroschen, bis er selbst zur One-Man-Army mutiert und immer wieder über alle Stränge schlägt. Mit elf spielt Harley bereits in einer Band, kurze Zeit später wirft er mit Motörheads Lemmy und Phil Taylor bergeweise Drogen ein. Dealer setzen ein Kopfgeld auf ihn aus, weil er ständig ihre Kunden vermöbelt. Er geht in der siebten Klasse von der Schule ab, schmeißt Scheiße aus dem Fenster, pisst Earth Crisis ins Catering, leckt das Blut der toten Sid-Vicious-Freundin Nancy Spungen von einem Teppich, stolpert über Leichen... und findet tatsächlich mit Mitte 40 seinen Frieden als Familienvater. Harley hat ein hervorragendes Erinnerungsvermögen, schreibt sehr grafisch und keineswegs in purem Straßenenglisch. Natürlich ist „Hard-Core…“ ein zweischneidiges Schwert. Wenn er jemandem auf der Straße den Schädel eintritt, schwingt immer noch ein bisschen Tough-Guy-Stolz mit, den Tod seiner Mutter beschreibt er hingegen absolut herzzerreißend. Es ist auf jeden Fall gut zu wissen, dass der Kerl heutzutage nur noch als Kampfsporttrainer Dampf ablässt.
448 englischsprachige Seiten, tonnenweise großartige Fotos und in diversen Nebenrollen Destruction, Dave Mustaine, Pantera, Nina Hagen und „Helloween or some shit“.


Jan Jaedike

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