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Kategorie
Buch 
Heft
RH #351 
Titel
WHEELS OF STEEL: THE EXPLOSIVE EARLY YEARS OF THE NWOBHM 
Erscheinungsjahr
2016 
Note

Martin Popoff
(Power Chord)
Sekundärliteratur über die New Wave Of British Heavy Metal ist rar gesät: John Tuckers persönliche Genre-Geschichte „Suzie Smiled“ plus „The NWOBHM Encyclopedia“ vom vielleicht größten lebenden Metal-Autor aller Zeiten, Malc Macmillan. Allein aus diesem Grunde ist Martin Popoffs Oral History schon mehr als willkommen. Sie wird in zwei Teilen zu 240 bzw. 286 Seiten erzählt: Das interessantere „Wheels Of Steel“ widmet sich den wilden Anfangstagen der Bewegung (zwischen 1979 und 1980), während „This Means War“ die Reise von 1981 bis 1984 fortführt und schließlich das Ende der NWOBHM skizziert, die, so Popoffs These, in Nordamerika vom Hair Metal und Thrash Metal abgelöst wird. Der ausgesprochen chaotische Charakter der NWOBHM, der erst retrospektiv von cleveren Journalisten in „geregelte“ Bahnen gelenkt und in ein formelles musikalisches Korsett gezwängt wurde, spiegelt sich in den beiden Büchern passenderweise adäquat wider (es bleibt indes zu bezweifeln, ob dies auch Popoffs ursprüngliche Intention war). So treffen konträre Auffassungen etwa von Steve Harris, Warfare-Evo sowie Kevin Riddles (Angel Witch, Tytan) ungeschminkt und ungefiltert aufeinander. Der Leser ist angehalten, sich aus all den Widersprüchlichkeiten sein eigenes Bild zu formen. Irritierend kommt der große Wortanteil von Bands wie Judas Priest, Motörhead und sogar Gillan daher – in allen drei Fällen handelt es sich lediglich um „Oldtimer“, die ihre größten kommerziellen Erfolge parallel zur NWOBHM (andere sagen exklusiv im Kielwasser der NWOBHM) feiern konnten. Die, ähem, durchaus selbstbewussten Äußerungen eines Rock-DJs namens Neal Kay lassen zudem vermuten, dass es ohne ihn gar keine NWOBHM gegeben hätte. Einen derartigen Eindruck zu erwecken, grenzt an Geschichtsklitterung.
Abgesehen von Detailfragen dieser Art bieten beide Bände aber eine unerlässliche Diskussionsgrundlage zum näheren Verständnis des Wesens der zweifellos wichtigsten Metal-Bewegung aller Zeiten.


Matthias Mader

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