ReviewBuch

Kategorie
Buch 
Heft
RH #350 
Titel
BIS HIERHIN UND SO WEITER - 20 JAHRE ROCK´N´ROLL. EIN- UND ANSICHTEN EINES BASSISTEN 
Erscheinungsjahr
2016 
Note

Peter Knorn
(SPV)
Schrilles Cover: Bassist in Ganzkörper-Leopardenanzug mit glitzerndem Seidenschal. Mitnichten haben Steel Panther vorzeitig ihre Memoiren eingereicht. Bei dem abgebildeten mittelalten Herrn handelt es sich um „Fargo-Pedder“. Dieser brachte auf der Bühne das Kunststück fertig und schlug mitsamt Instrument einen Salto. Anfang der achtziger Jahre war die „Bravo“ voll von Fotos jener zirkusreifen Nummer. Dieser Peter Knorn gründete wenig später Victory, arbeitete als Manager und betrieb ein kleines Label. Der Mann hat also etwas zu erzählen. So sind die 288 Seiten gespickt mit kurzweiligen Anekdoten - Knorns Flucht in den Siebzigern vor der damals noch obligatorischen Wehrpflicht in die Frontstadt des Kalten Krieges, West-Berlin; seine Freundschaft zu den ebenfalls in Hannover beheimateten Scorpions. Das Highlight des von Hollow Skai vorzüglich lektorierten Buches ist aber die Schilderung von Knorns Besuch auf dem Anwesen von Uli Jon Roth, Tanybwlch Manor, einem Spukschloss nahe der walisischen Kleinstadt Aberystwyth mit 42 Zimmern, verteilt auf großzügige 1.800 Quadratmeter Wohnfläche. Genug Platz also für Geistererscheinungen jeglicher Art. Und da jene Apparition sogar auf Zelluloid gebannt werden konnte (!), ist man gewillt, dem Autor seine höchst emotional geschilderte übersinnliche Erfahrung abzunehmen. Spirits in the material world. Eine schöne Gruselgeschichte ist´s allemal.
Knorn pflegt über die gesamte Distanz von „Bis hierhin und so weiter“ einen höchst individuellen Erzählstil, der sich äußerst wohltuend von den oftmals doch recht biederen Sprachbildern herkömmlicher Rockbiografien abhebt. Hier und da ist es indes sprachästhetisch tatsächlich der oft zitierte Tanz auf der Rasierklinge, wenn etwa „die Geometrie ins Spiel kommt und es gilt, die Quadratur des Teufelskreises im Bermudadreieck unter einen Zylinder zu bekommen“. Kitsch oder Kunst? Es gibt nur einen Weg, dies herauszufinden: Sucht die direkte Auseinandersetzung mit den „Ein- und Ansichten eines Bassisten“.


Matthias Mader

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