ReviewBuch

Band
MICHAEL SWEET 
Kategorie
Buch 
Heft
RH #326 
Titel
Honestly – My Life And Stryper Revealed 
Erscheinungsjahr
2014 
Note

MICHAEL SWEET (mit Dave Rose und Doug Van Pelt)
(Big3)
„Ich trinke, rauche gelegentlich, fluche mehr, als ich eigentlich sollte, und habe mit Frauen im Tourbus rumgemacht. Und ich verachte Religion.“ STRYPERs Michael Sweet eröffnet seine Memoiren nicht ganz erwartungsgemäß. „Ich bin Christ“, fügt er hinzu und fasst damit seine Lebenseinstellung zusammen. Jesus und Rock´n´Roll vertragen sich für den Musiker bestens. Zwölf Millionen verkaufte Platten zeigen zudem, dass es genügend Fans gibt, die das in der Hardrock/Metal-Szene übliche Christen-Bashing für genauso dämlich halten, wie es letztendlich ist. Michael ist weder Prediger noch Asi-Rocker. Er bezeichnet sich als ziemlich normalen Kerl, der „einen Tick cooler ist als Kip Winger, aber längst nicht so cool wie Bono“, und trotzdem ist seine Karriere spannend genug, um sie auf 300 englischsprachigen Seiten aufzubereiten. Sweet entdeckt als Kind erst die Gitarre und dann den Lieben Gott. Zunächst frönt er dennoch kompromisslos dem Sex/Drugs/Rock´n´Roll-Klischee, ändert seine Attitüde später allerdings grundlegend. Obwohl STRYPER beim „Satanisten“-Label Enigma unterschreiben, steigen sie zu christlichen Rockstars auf. Sie werden zugleich als Bibelwerfer verachtet, von TV-Evangelisten als „Wölfe im Schafspelz“ beschimpft, von christlichen Hardlinern und möchtegernbösen Metalheads angegriffen und von Metallica vollgepupst. Sie durchstehen Gigs auf Extrem-Metal-Festivals, machen sich in ihren Biene-Maja-Outfits zum Deppen, saufen mehr als Lemmy, kaufen bergeweise Knarren, erhalten Morddrohungen und beten sich die Seele aus dem Leib. Die Band geht kaputt, Michael wird von den eigenen Eltern abgezockt, er lebt von 1.000 Dollar im Monat, seine erste Ehefrau stirbt an Krebs. Doch irgendwann geht´s wieder aufwärts. Sweets durchgehendes Gottvertrauen mag naiv rüberkommen und ist tatsächlich einen Tick zu dick aufgetragen, wirkt aber immer ehrlich. Zudem entpuppt er sich als guter, teils durchaus selbstironischer Erzähler, nicht aufsehenerregend auf den cheap thrill fokussiert, aber absolut sympathisch. Lediglich mit der Chronologie hat´s der ADHS-Kranke nicht so, das Hin-und-her-Gespringe in der Vita ist manchmal etwas verwirrend. Aber das macht „Honestly...“ kaum weniger empfehlenswert.


Jan Jaedike

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