ReviewBuch

Band
CHRISTIAN KRUMM 
Kategorie
Buch 
Heft
RH #324 
Titel
AT DAWN THEY SLEEP 
Erscheinungsjahr
2014 
Note

(Verlag Nicole Schmenk)
Nach zwei Sachbüchern über die Metalszene versucht sich Dr. Christian Krumm, Lehrender der Universität Duisburg-Essen, an seinem ersten Roman. „At Dawn They Sleep“ ist abermals ein Buch über und sicherlich auch für die Hartwurst-Szene. Alioscha, einer der Protagonisten, stolpert als freier Mitarbeiter einer Zeitung eher zufällig in das Umfeld einer Metalband – und ist von dieser neuen Welt so fasziniert, dass er bleibt. Aus den Erzählperspektiven verschiedener Charaktere spinnt der Autor miteinander verwobene Handlungsstränge einer Geschichte über Sex, Drugs & Rock´n´Roll, Freundschaft und Liebe, Erfolg und Glück, Aufstieg und Fall, die in einem unvorhersehbaren Showdown zusammenlaufen. Unterhaltsam, berührend und tiefgründig. Ein Buch für Menschen, die gern über den Tellerrand schauen.

Drei Fragen an Roman-Autor Christian Krumm

Christian, du hast deinen Roman nach einem Song von Slayer benannt. Was steckt dahinter?

»Der Titel des Romans stand mit als Erstes fest, denn ich habe mir im Vorfeld die Frage gestellt, was die Menschen in der Metalszene so anders macht. Ich fand, dass dieser Titel „At Dawn They Sleep“, ohne konkret zu wissen, was diese Menschen anders macht, sehr treffend ist für die Andersartigkeit der Leute in der Metalszene. Und wenn du die Geschichte sowieso aus der Musik und dem Gefühl heraus schreiben willst, dann kannst du sie auch nach einem Song benennen. Ich habe, als der Roman bereits fertig war, tatsächlich überlegt, ob ich ihn nicht anders nennen sollte, und um die 50 verschiedene Titelvorschläge gehabt, aber die waren alle scheiße (lacht). Deswegen habe ich es letzten Endes bei „At Dawn They Sleep“ belassen, zumal der Titel auch hervorragend zum Buchcover von Björn Gooßes passt.«

Hattest du als Zielgruppe des Buchs konkret die Metalszene im Visier, oder versuchst du eher, Außenstehenden diese Welt mit deiner Geschichte näherzubringen?

»Das Ziel war es, zu zeigen, dass die Metalszene das Potenzial hat, eine richtig gute Geschichte hervorzubringen, die auch nicht austauschbar ist. Das ist tatsächlich die Ursprungsidee gewesen. Ich fand schon immer, dass die Metalszene, was ihr kulturelles Potenzial angeht, total unterbewertet wird, zumindest nach außen hin. Dabei hat diese Szene wirklich einiges auf der Pfanne – vor allem, was die Instrumentalisten betrifft, aber auch Kompositionen und Texte. Das ist ganz anders als das, was in den Medien oft dargestellt wird, dieses Ballermann-Wacken-Image mit den grölenden, besoffenen Langhaarigen, als die wir immer dargestellt werden. Wenn sich Metalfans in meinem Roman wiederfinden, finde ich das super. Und wenn Leser, die nichts mit dieser Welt zu tun haben, jetzt sagen: „Okay, ich verstehe, was die Szene ausmacht“, finde ich das ebenfalls super. Doch mein Hauptanliegen war es, eine Geschichte zu schreiben, die den Geist der Metalwelt literarisch darstellen kann.«

Einerseits räumst du in deinem Buch mit typischen Vorurteilen gegen die Szene auf, andererseits bietest du diesen Klischees aber auch den besten Nährboden mit Storys über Sex, Drugs & Rock´n´Roll, arrogante Musiker, hohe Gewaltbereitschaft und Details wie Tattoos von umgedrehten Kreuzen, einer schwarzen Hauskatze namens Satan und vielem mehr. Warum?

»Interessante Frage! Ich denke, dass Dinge wie schwarze Katzen namens Satan in der Metalszene durchaus vorkommen (lacht), weil die Metaller irgendwo doch auch das eine oder andere Klischee lieben. Wir sehen nun mal diese Leute mit den umgedrehten Kreuzen auf den Shirts auf Festivals. Das gehört eben dazu. Es gibt aber natürlich auch andere, und deswegen war das durchaus eine Gratwanderung, da hast du Recht. Ich habe überlegt: Wie stelle ich die Leute so dar, dass dieses Klischee trotzdem nicht erfüllt wird? Das habe ich versucht zu lösen, indem die Leute zwar zum Beispiel solche Shirts tragen und sich auch teilweise den Vorurteilen entsprechend benehmen, ihre Hintergründe jedoch ganz andere sind. Ich habe versucht, den Fokus der Story auf die Menschen und ihre Persönlichkeit zu legen. Die Story ist – und das ist der große Vorteil eines Romans gegenüber einem Sachbuch – aus dem Erlebnis heraus geschrieben. Und wenn man dann Klischees entdeckt, muss ich sagen, dass ich sie auch so erlebe.« (am)         


Alexandra Michels

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