ReviewBuch

Band
PETE TOWNSHEND 
Kategorie
Buch 
Heft
RH #314 
Titel
Who I Am 
Erscheinungsjahr
2013 
Note

(KiWi)
Viele Autobiografien mehr oder minder legendärer Rockstars handeln in erster Linie - hier stimmen leider allzu oft die Klischees - von irre extremen Drogenabstürzen, die in reichlich unglaubwürdiger Detailliertheit ausgebreitet werden, wahnsinnig coolen Sex-Abenteuern, die zu einem nicht geringen Teil erfunden sein dürften, und am Rande auch noch ein bisschen von der eigenen Musik, die häufig nur noch wie eine lästige Vorbedingung für das Auskosten der oben erwähnten Kontrollverlustmomente wirkt. Auch bei Pete Townshend wird´s zwischendurch mal schlüpfrig oder halluzinogen, allerdings schildert das THE WHO-Multitalent (das dieses Buch im Gegensatz zu vielen anderen Musikern tatsächlich komplett alleine geschrieben hat) die entsprechenden Begebenheiten mit bodenständiger, selbstreflektorischer Nüchternheit, und auch wenn der Brite in seinen 50 Karrierejahren mehr erlebt hat als jedes ach so wilde Aerosmith-, Led-Zeppelin- oder Mötley-Crüe-Partymonster, spürt man auf jeder der 573 ordentlich ins Deutsche übersetzten Seiten, dass Pete bis in die letzte Faser seines Körpers von einer tiefen Liebe zur Musik beseelt ist. Seine schonungslose, teils fast schmerzhaft offene, aber nie selbstmitleidige oder selbstbeweihräuchernde Lebensrückschau zeichnet das enorm facettenreiche Bild eines Mannes, für den Lieder immer gleichzeitig Selbsttherapie und soziales Statement waren und der durch das einzigartige Zusammenspiel von musikalischer Genialität, künstlerischen Visionen, einem sehr wachen, klaren Intellekt und empfindlichen emotionalen Sensoren die Rockmusik so nachhaltig geprägt hat wie sonst nur die Beatles oder Jimi Hendrix. Und nebenbei bekommt man auch einen extrem authentischen Einblick in die „roaring Sixties“, als in „swinging London“ die Weichen für so ziemlich alles gestellt wurden, was heutzutage mit verzerrten Gitarren passiert.


Michael Rensen

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