ReviewBuch

Kategorie
Buch 
Heft
RH #307 
Titel
NATIONALSATANIST 
Erscheinungsjahr
2012 
Note

Erlend Erichsen
(Joachim Körber Verlag)
Angeblich hat die norwegische Originalausgabe “Nasjonalsatanisten” im Land der Fjorde hohe Wellen geschlagen. Weiß der Deibel warum, denn die 190 Seiten dürften so ziemlich der miserabelste, albernste und in sprachlicher Hinsicht ärmste Müll sein, den ich in den vergangenen zwanzig Jahren in Buchform konsumiert habe.
Leseprobe gefällig? „»Wir übertreffen sie. Wir übertreffen Gorgoroth und gründen unsere eigene Black-Metal-Band!« Ich trat einen Schritt zurück; Erleichterung breitete sich in mir aus. Er hatte dasselbe gedacht wie ich. Er dachte auch an eine eigene Band. »Bist du bereit für eine satanistische Black-Metal-Band?!«, fragt er noch einmal. »Ja, klar, ja!« Begeistert ergriff ich seinen Arm, um meinen Enthusiasmus zu unterstreichen. Seine Miene wurde völlig steinern. »Fass mich nicht an«, zischte er. Er blieb einen Augenblick still, bevor er fortfuhr. »Ich kaufe ein Schlagzeug. Das ist das Einzige, das ich spielen will.« Er blinzelte nicht, seine Augen leuchteten. Ich sagte, dass ich am liebsten eine Gitarre kaufen wolle.”
In dieser holprigen Kindersprache – ob bereits der Originaltext so erbärmlich war oder die deutsche Übersetzung nach einer Ehrenrunde im Brettergymnasium schreit, entzieht sich meiner Kenntnis – geht es immer weiter. Der ei gar mächtig böse Schlagzeuger, der unter anderem damit prahlt, Mayhems Euronymous im Plattenladen “Helvete” begegnet zu sein, und sein Mitläufer gründen eine Combo namens Stormvold, finden einen Proberaum, schlagen echte Rocker krankenhausreif, irgendwann brennt eine Kirche, die beiden Protagonisten hören gerne »volle Kanne« Burzum, ihre ominöse Band gibt sich nicht nur satanistisch, sondern auch “Blut und Boden”-national. So nach und nach vermischen sich Fakten aus der norwegischen Black-Metal-Historie mit Fiktion, und falls man es tatsächlich schafft, den Schüleraufsatz bis zu Ende zu lesen, macht sich Erleichterung breit, denn von nun an kann man sich Büchern widmen.
P.S.: Buchautor Erlend Erichsen alias Sjt. Erichsen hatte einst das Gorgoroth-Album “Incipit Satan” eingetrommelt.


Wolf-Rüdiger Mühlmann

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