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RH #189 
Note

Auf dieses Buch warten (nicht nur) Motörhead-Fans seit Jahren! Immer wieder wurde Lemmy in Interviews auf seine ?Lebensbeichte? angesprochen, die uns nun endlich in Form dieses 300-Seiten-Schinkens vorliegt. Was, nur 300 Seiten? Auch ich war anfangs etwas enttäuscht, weil ich rein quantitativ doch mit mehr gerechnet hatte.
Aber wie man sich doch täuschen kann! ?White Line Fever?, im typischen Lemmy-Ton verfasst und mit ein paar raren Bildern garniert, deckt so ziemlich alles ab, was man mit dem Namen Lemmy Kilmister verbinden würde: seine Kindheit und Jugend, seine ersten musikalischen Erfahrungen, seine Ansichten zu Sex, Rock´n´Roll und Politik (in genau dieser Reihenfolge), die Karriere Motörheads und - last but not least - Philosophisches und Nachdenkliches. Alles natürlich gewürzt mit dem typisch trockenen, hintergründigen Lemmy-Humor, der die Vermutung nahelegt, dass Autorin Janiss Garza lediglich die Interview-Tapes abgetippt hat.
Wer ein Buch wie Mötley Crües ?The Dirt? erwartet, liegt hier allerdings falsch. Es werden zwar viele Anekdoten aus Motörhead-Tagen erzählt, aber ?White Line Fever? ist keine Aneinanderreihung von Exzessen, Gewalt-Orgien und Groupie-Abenteuern. Lemmy hat schlichtweg zu viel Achtung vor den Frauen, die sein Leben begleitet haben, als dass er jeden Dreck ans Tageslicht zerren würde. Er präsentiert sich als nachdenklicher, hier und da vielleicht etwas verbitterter Musiker, der unterm Strich immer ein echter Gentleman geblieben ist.
Wer den Menschen hinter dem Motörhead-Kopf kennen lernen will (und halbwegs gut Englisch spricht), kommt an ?White Line Fever? nicht vorbei!


Götz Kühnemund

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