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Kategorie
Buch 
Titel
Endymion-Saga (Goldmann) 
Note

Es kommt nur alle paar Jahre mal vor, dass einen ein Science Fiction-Mehrteiler auf Tage hinaus gefangen nimmt und so sehr vom Alltagsgeschehen ablenkt, dass man aus Versehen die Schule schwänzt, zur Geburtstagsparty der Freundin nicht erscheint oder seine Uni-Abschlussprüfung verpasst. Dan Simmons Hyperion-Epos schaffte dies vor einigen Jährchen, und auch der Nachfolge-Doppelbänder („Endymion - Pforten der Zeit“ & „Endymion - Die Auferstehung“) lässt die Tage und Nächte wieder verdammt kurz werden.
Das bereits recht großflächige Hyperion-Konzept erhält noch einige zusätzliche Dimensionen und katapultiert den Leser in ein intergalaktisches Intrigenspiel, in dem die scheinbar allmächtige Kirche, bizarre Aliens, mystische Jenseitswesen und eine nebulöse Gruppe technischer Intelligenzen durch die Ankunft eines weiblichen Messias´ in einen mörderischen Strudel der Zerstörung gestoßen werden. Aus dem Blickwinkel des Leibwächters der Heils- und Unglücksbringerin verfolgt man eine anfangs sehr simpel anmutende Verfolgungsjagd, die sich jedoch schnell zu einem anspruchsvollen Problemkomplex entwickelt. Quantenphysik, verschiedene Religionen, fernöstliche Philosophien, die potenzierten Sünden der irdischen katholischen Kirche, Umwelt- und Technikvergehen verdichten sich zu einem ebenso faszinierenden wie beängstigenden Ausblick auf eine Zukunft, in der der Mensch sich mit beachtlicher Präzision zur totalen Selbstauflösung zu bringen droht.
Simmons schreibt gewohnt rasant und phantasievoll. Dutzende von schillernden, sehr plastisch in Worte gefassten Welten rauschen am Leser vorbei, der an einigen Orten gerne noch etwas länger verweilt hätte, andererseits aber auch der nächsten überraschenden Kehrtwende der Story entgegenfiebert. Die Geschichte entwickelt insbesondere im zweiten Buch einen ungeahnten Tiefgang, der Simmons endgültig von dem Vorwurf freisprechen dürfte, Highspeed-Fastfood für Zukunfts-Junkies zu schreiben.


Michael Rensen

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