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ROCKLEXIKON DER DDR (Schwarzkopf & Schwarzkopf) 
Note

Von A wie AG Geige über N wie ”Notenbude” ( eine grottenüble Sendung bei Stimme der DDR) bis Z wie Zwitschermaschine (progressive Punkband aus Dresden) – eigentlich müsste die Geschichte der deutsch-demokratischen Rockmusik tonnenweise Histörchen, Skandale, Gerüchte, spannende Biographien, Stilblüten und Glossen hergeben. Doch Diplom-Dokumentator Götz Hintze (Baujahr `61) frühstückt alle erdenklichen Bands, Künstler, Medien und DDR-typischen Bürokratieanlaufpunkte (auf neudeutsch: Ämter) genauso staubtrocken und langweilig ab, wie einst SED-Parteisoldaten über die Übererfüllung von Fünfjahrplänen schwadroniert haben.
Wie so ein dröger Schinken entstehen kann? Folgend: Einfach die entsprechende Band aus den Archiven des DDR-Rundfunks gezogen (wo der Autor von 1983 bis 1991 als Musikdokumentator herumverwaltete), Gründerzeit, Line-Up, ein Satz über die Inhalte der Band, unvollständige Discographie – und fertig sind 338 Seiten zum Thema DDR-Rock.
Obwohl wir es hier bereits mit der zweiten überarbeiteten Auflage zu tun haben, endet die Geschichte fast aller Bands zur Wendezeit, was im Falle von Bands wie Feeling B (deren stärkstes Album ”Die Maske des roten Todes” erschien nach der Wende; zudem wären ein paar Absätze zu Rammstein bitter nötig) besonders armselig ist. So eine krasse Verleugnung der Wende und der Gegenwart gab es seit Honecker nicht mehr...
Möglichst nicht kaufen für 29,80 Mark - es sei denn, ihr habt noch Ostgeld.


Wolf-Rüdiger Mühlmann

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