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Note

Die Idee, ein Buch über die Fans der BÖHSEN ONKELZ zu schreiben, wurde im Herbst des Jahres 1998 geboren: Klaus Farin, Leiter des Berliner Archivs für Jugendkulturen, versandte via Flugblatt und Pressemitteilungen die Meldung, dass sich Fans der Frankfurter schriftlich bei ihm melden sollten, um klarzumachen, was ihnen die ONKELZ bedeuten. So weit, so gut. Weniger gut ist für meinen Geschmack jedoch die Aufteilung des Buches: Kann man aus dem Service-Teil-Anhang, in dem neben den Daten der gespielten Konzerte offizielle und inoffizielle Veröffentlichungen der Band gelistet sind, noch die eine oder andere Information filtern, so ist die restliche Aufteilung doch eher gewöhnungsbedürftig. Lässt man auf den rechten Buchseiten die Biographie der ONKELZ ablaufen (hier ist jedoch der Löwenanteil aus der offiziellen Bandbiographie „Danke für nichts“ zusammengeschrieben worden), so kommen auf den linken Buchseiten die Fans zur Sprache, die relativ ungeschönt ihre Standpunkte klarmachen.
Uninteressant ist es sicher nicht, nachzulesen, warum sich Fan X oder Fan Y von den ONKELZ besonders angezogen fühlt - oder inwieweit der politische Wandel der Band Einfluss auf die Anhänger hatte. Aber um ehrlich zu sein: Braucht das wirklich jemand im Buchformat? Farin will keine Erklärungsansätze liefern, denn um allgemeingültige Theorien zu vertreten, müßte es den „typischen“ ONKELZ-Fan geben. Der ist aber - so der eigentliche Grundtenor des Buches, nicht einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht zuzuordnen, sondern steht aus den verschiedensten Motivationen heraus auf die Band. Eine Erkenntnis, die nicht wirklich neu ist und mit 28,- DM auch nicht besonders preisgünstig nachvollzogen werden kann. Das „Buch der Erinnerungen“ ist somit eher etwas für gnadenlose Alleskäufer unter den Fans der BÖHSEN ONKELZ.


Thomas Kupfer

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