ReviewBuch

Kategorie
Buch 
Titel
DOCTOR DOT - Mein hautnahes Leben mit den Popstars (Medienco 
Note

Dr. Dot aka Dorothy Leckner ist eine 31jährige Italo-Amerikanerin, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Schön für sie, zumal sich das Hobby "Rumfummeln an Rockstars" nennt. Dot ist nämlich Masseuse und hat schon Berühmtheiten wie Kiss, Rainbow, die Chili Peppers, Mötley Crüe, Van Halen und Iron Maiden, aber auch die Backstreet Boys und Guildo Horn, durchgeknetet. Die Dame muß wahrlich göttliche Griffel haben, betont sie doch immer wieder, daß sie es ohne Sex geschafft hat, an so gut wie jedem Promi, der ihr im Laufe ihres Nomadenlebens vor die Nase kam, herumzuspielen. Dennoch ist sie einsichtig genug, sich als Groupie zu bezeichnen, denn so ganz geheuer ist ihr die eigene Mission dann doch nicht. "Mein hautnahes Leben mit den Popstars" ist nämlich keine furztrockene Abhandlung über die gesammelten Verspanntheiten der Musik-Szene, sondern eine oberflächliche und anekdotenarme Anhäufung von Begegnungen mit diversen Berühmtheiten. In erster Linie führt das ehemalige Provinz-Disco-Madonna-Double seinen Aufstieg vom kleinen Rockstar-geilen Mädel, das schon mit 14 von Def Leppards Phil Collen angebaggert wurde, zu einer erwachsenen Frau vor, für die es das Größte ist, mit einem Typen wie Mick Jagger abzuhängen und - irgendeine Existenzberechtigung muß man ja vorweisen - ab und zu mal einen Rücken oder Fuß zu kneten. Wenn dann jemand wie Robert Plant oder Dave Navarro doch plötzlich ein gewisses Prickeln zwischen Oberschenkel und Bauchnabel verspürt, bietet sie ihm an, für fünf Minuten den Raum zu verlassen, damit er sich's doch bitteschön selber machen kann. Und auch Sting hat nach 25 Minuten Arsch-Massage ein mächtiges Rohr. Wie aufregend...
Dot lobt gern ihr eigenes gutes Aussehen, hält jeden Mucker, der nicht mit ihr flirtet, für schwul und findet alles mögliche "fucking funny" (oder auch "fucking komisch"). Sonst wird aber nicht gefuckt. Lediglich 'ne lesbische Nummer mit 'ner Freundin wird in einem Nebensatz spendiert. Wer also 'ne deftige "X hat'n kurzen, Y ist schwul und Z impotent"-Schlammschlacht erwartet, wird enttäuscht. Alles kein Problem, wenn das Buch (Preis: 19,90 DM; ISBN 3-89769-016-0) unterhaltsam geschrieben wäre und tatsächlich mal was Spannendes passieren würde. Na ja, immerhin lernen wir, daß Joey Ramone fast blind ist, Frank Zappa mal einen knackigen Diet-Coke-Rülps von Dot gesampelt hat, "bei Heavy Metal-Konzerten andauernd jemand auf der Bühne hinfällt", Mick Jagger Viagra frißt und... daß Masseusen keine Bücher schreiben können.


Jan Jaedike

AMAZONEMPFEHLUNG