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Kategorie
Buch 
Titel
MAMA TRIED (Bench Press Publishing, ISBN 3-933649-02-1) 
Note

Wie kaum ein zweiter hat Andy Andersen seit Anbeginn seiner Karriere sein Image als Rock´n´Roll-Outlaw gepflegt. Egal, ob Attitude Adjustment, Two-Bit-Thief, Romeo Dog oder jetzt Andyboy - jedes seiner Bandprojekte versprüht urwüchsigen Charme und kultiviert das Underdog-Dasein. Auch „Mama Tried“ reiht sich nahtlos in diese Tradition ein, denn Andersen zeichnet sehr engagiert den Lebens- und Leidensweg eines totalen Verlierers nach und geizt nicht mit derbem Vokabular. Die fiktive Story schildert den Absturz eines Antihelden, der sich zu Anfang seiner kriminellen Karriere noch mit kleineren Drogendeals über Wasser hält, ehe er im Verlauf diverser Knastaufenthalte zum gefühlskalten Auftragskiller, der von seiner eigenen Heroinsucht und Gangloyalität langsam aufgerieben wird, mutiert.
Phasenweise erinnert das Buch an die ersten Bukowski-Gehversuche, aber Andersen hat durchaus seinen eigenen, simplen Erzählstil gefunden, der den Geschehnissen erst zu voller Authentizität verhilft. Auf 150 Seiten dominiert der ganz normale Wahnsinn in Form von Drogen, Gewaltexzessen und Knastaufenthalten, und gerade als sich der Leser mit dem endgültigen Absturz des Protagonisten abgefunden hat, nimmt das Buch eine gänzlich unerwartete Wendung...
„Mama Tried“ ist ein kurzweiliges Lesevergnügen, das eine Menge Fragen aufwirft und sich so ganz nebenbei kritisch mit der Situation in amerikanischen Hochsicherheitsgefängnissen auseinandersetzt. Vor diesem Hintergrund darf man auf die Film-Dokumentation, die Andersen gerade zu diesem Thema abdreht, gespannt sein.
Zu beziehen ist „Mama Tried“ für 15,- DM (inkl. Porto) bei Bench Press Publishing, Markus Öhrlich, Lindenstr. 20, 72582 Grabenstetten, und wem dieser äußerst faire Kurs immer noch zu hoch erscheint, der kann eine mit dem Stichwort „Andyboy“ versehene Postkarte an die Redaktion senden. Wir verlosen drei Exemplare der englischsprachigen Lektüre.


Thomas Kupfer

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