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Kategorie
Buch 
Titel
Roverandom (Klett-Cotta) 
Note

„Roverandom“ ist für TOLKIEN-Fans sowas wie das Fünfte Evangelium: ein vollständiges, jahrzehntelang verschollenes Werk, von dessen Existenz bis vor kurzem kaum jemand etwas ahnte. Erst im letzten Jahr traten zwei TOLKIEN-Spezialisten nach eingehender Prüfung (und leichter, behutsamer Bearbeitung) mit dieser Story an die Öffentlichkeit. Allerdings handelt es sich bei „Roverandom“ weder um einen Text aus dem Mittelerde-Sagenzyklus noch um ein besonders voluminöses Werk. Auf gerade mal 142 Seiten erzählt J.R.R. die Geschichte des Hundes Rover, der von einem Magier in einen Spielzeugkläffer verwandelt wird und bis zum Mond und auf den Grund des Meeres reisen muß, um den Zauber rückgängig zu machen. TOLKIEN verfaßte den ersten Entwurf 1925 im Urlaub für seinen Sohn Michael und beabsichtigte, ihn seinem Verleger nach dem großen Erfolg seines ersten Kinderbuches „Der kleine Hobbit“ zur Veröffentlichung anzubieten. Diesen Plänen kam jedoch der zuerst ebenfalls nur als relativ dünner Krabbelgruppenschmöker geplante Fantasy-Überflieger „Der Herr der Ringe“ dazwischen, und in der Folgezeit verschwand der kleine Rover unter Bergen von Ahnenreihen, geographischen Karten und Handlungsskizzen aus Mittelerde.
TOLKIEN-Freunde müssen „Roverandom“ sowieso lesen, und auch alle übrigen Liebhaber gediegener Phantastik werden mit diesem Büchlein keinen Fehler machen. TOLKIENs unglaublich versierter Umgang mit Sprache, seine kaum zu bremsende Fabulierkunst und sein unerreichter, subtiler Sprachwitz machen „Roverandom“ zu einem Lesegenuß für alle Menschen zwischen sechs und 96, die vom TV-Einheitsbrei und der armseligen Seitenschinderei all der unsäglichen, leider aber auch extrem populären AD&D/Schwarze Auge/Star Wars/Star Trek-Buchserien noch nicht völlig abgestumpft sind.


Michael Rensen

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