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Kategorie
Buch 
Titel
Heavy Metal - Die Bands. Die Fans. Die Gegner. (Beck´sche Re 
Note

Noch kein Weihnachtsgeschenk für eure zwar ganz netten, aber irgendwie auch ziemlich spießigen Eltern gefunden? Wie wär´s mit diesem recht preiswerten Schmöker (19,80 Mark)? Die Vorteile: 1) Ihr braucht nicht länger zu suchen. 2) Eure Erzeuger lesen endlich mal was anderes als die Bild-Zeitung. 3) Vielleicht hetzen sie nach der Lektüre nicht mehr gegen eure Lieblingsmusik, von wegen Gewaltverherrlichung, Jugendgefährdung und so. „Heavy Metal...“ bricht nämlich nicht nur eine Lanze für die harte Rockmusik (Roccor ist selbst seit Jahren Metal-Fan), sondern bietet auf der anderen Seite auch sehr wenige Angriffspunkte, weil sämtliche Ausführungen einen ausreichenden wissenschaftlichen Unterbau besitzen (die Autorin arbeitete u.a. als Lehrbeauftragte für Jugendkultur an Universitäten). Das Buch eignet sich also hervorragend dazu, Vorurteile abzubauen und Zweiflern ein für allemal klarzumachen, daß Heavy Metal per se weder in den Selbstmord treibt noch für Hungersnöte, Seuchen und Kriege verantwortlich ist.
Nach einem recht guten musikgeschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Genres, angefangen bei Sabbath, Purple und Led Zeppelin, widmet sich Roccor den verschiedenen Untergattungen (von Glam- bis Black Metal) sowie den Mechanismen des Business und setzt sich sehr kompetent mit Songtexten, Bühnenoutfits und Plattencovern auseinander. Besonders am Herzen liegen der Autorin die Fans mit ihren Vorstellungen und Träumen, ihrem Selbstverständnis und Modebewußtsein. Mit viel Herzblut, aber stets auch dem nötigen Maß an Objektivität schildert Roccor eine der vitalsten Subkulturen der Gegenwart und spart dabei auch nicht deren ärgste Feinde aus. Insbesondere die legendäre ARD-„Report“-Sendung aus dem Jahr 1990 und die immer mal wieder aktuellen „Backward-Masking“-Verschwörungstheorien werden schonungslos auseinandergepflückt und als das dargestellt, was sie sind: schwachsinnige Wichtigtuereien verbohrter, erzkonservativer Moralapostel, die irgendeinen Sündenbock für ihr aschgraues, todlangweiliges Leben suchen.
Einige Kleinigkeiten stimmen in dem Buch zwar nicht (daß Albrecht das Rock Hard mitgegründet hat, schmeichelt ihm zwar, gehört aber ins Reich der Fabeln), doch in den wesentlichen Punkten trifft Roccor den Nagel auf den Kopf. Als Denkanstoß für skeptische Eltern, Lehrer, Pfarrer, Journalisten oder den intoleranten Freundeskreis auf jeden Fall zu empfehlen.


Michael Rensen

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