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Kategorie
Buch 
Titel
Kiss & Tell More (Pitbull Publishing) 
Note

Nach dem Überraschungserfolg von "Kiss & Tell", in dem sich Gordon G.G. Gebert mit seinem damaligen Co-Autor Bob McAdams auf kurzweilige Art und Weise insbesondere mit Ace Frehleys Solo-"Karriere" zwischen KISS-Rauswurf und Reunion befaßte, legt der ehemalige Handlanger und Kumpel des Lead-Gitarristen jetzt nach. Was mir allerdings schon im Vorfeld seltsam vorkam, da ich annahm, daß Gordon die besten Anekdoten im ersten Teil verbraten hat und eigentlich nix Neues hinzugekommen sein kann, da seine ohnehin nur auf Ace beschränkten Kontakte zum KISS-Camp vor Jahren abbrachen. Und siehe da, der findige Kerl füllt die 300-Seiten-Distanz auf gar wundersame Weise: Die Schwarte besteht fast ausschließlich aus Resonanzen auf den ersten Teil! Das geht von Presse-Kritiken über Radio-Interviews bis hin zu elendig vielen (und überwiegend von erbosten KISS-Fans verfaßten) Online-Messages. Dazu kommt die Frehley´sche Bankrott-Erklärung in epischer Breite, eine ellenlange Royalty-Abrechnung, ein alter KISS-Tourrider, schlechte Fotos von schlechten Computer-Graphiken, mit denen Ace in den Achtzigern sein schmales Einkommen aufbessern wollte und Bikini-Fotos von 'ner ehemaligen KISS-Sekretärin (!).
Na ja, immerhin lernen wir, daß Mr. Frehley gern besoffen in der Gegend rumballert, mit 'nem Auto ein Loch in sein Haus gefahren hat, mit raushängendem Schwanz (und pinkelnd) bei einer Box-Veranstaltung durchs Publikum torkelte, sich wegen Groupie-Mangels auch mal mit KISS-Schlagwerker Peter Criss vergnügte, und ein Foto von Ace in einer SS-Uniform gibt's auch zu sehen. Etwas weniger sensationsheischend erzählt Ex-Wicked Lester-Gitarrist Ron Leejack als Bonus-Story seine Sichtweise der ersten musikalischen Gehversuche von Stanley und Simmons (aus Wicked Lester gingen bekanntlich KISS hervor und der WL-Track 'She' ist gerade wieder im KISS-Live-Set aufgetaucht). Interessant ist auch die Studiomusikerliste, die zeigt (vorausgesetzt, man unterstellt der Quelle Seriösität), daß sich Gene nicht erst in den Achtzigern aus diversen KISS-Scheiben ausklinkte, sondern bereits Tracks wie 'Love Gun' oder sein Haß-Stück 'I Was Made For Lovin' You' nicht selbst einspielte.
Unterm Strich ist die Ausbeute an lesenswerten Passagen aber mehr als mager. Bleibt die Frage, ob Mr. Gebert den Nerv hat, einen dritten Band mit sämtlichen Anfragen zu füllen, in denen KritikerInnen und LeserInnen wissen wollen, was zum Teufel das hier eigentlich soll.


Jan Jaedike

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