ReviewArschbombe

Band
BETTELPRINZ 
Kategorie
Arschbombe 
Heft
RH #320 
Titel
Ritz dich 
Erscheinungsjahr
2013 
Note
0.0 

7Hard/NMD (33:20)
Neulich bei der Fetischnacht im „Hartgummi“ in der Bahnhofstraße, gleich hinterm Lidl: Zwei Gnome an den Turntables, einer legt auf, der andere befingert sich selbst, alles schön lackverpackt. Erst ballert Discjockey Leckomio van Goethe ´Duck dich´ von Römmel, danach Rammsteins ´Bück dich´, und als Krönung folgen BETTELPRINZ mit ´Ritz dich´. „Hey Leute“, näselt Leckomio, die olle Latex-Mettwurst, ins Mikro, „hier kommt das Kultstück der Borderliner. Ist das geil, oder ist das geil?“ Und während fünf Handlampen auf der Tanzfläche ihre „Drei Schritte nach vorne, drei Schritte zurück“-Schimpansengymnastik zelebrieren, muss der Rest spontan kotzen oder flüchtet in den Raucherraum. Denn merke: Selbst die Goten/Electro/Wave-Szene, in der musikalische und inhaltliche Substanzarmut nicht vor Erfolg schützt (hallo ASP!), hat eine Schmerzgrenze, und der Inhalt eines Plumpsklos wird eben nicht in die gute Stube geschüttet, sondern im Fäkalloch belassen.
Sorry! Alles reines Wunschdenken von mir: Natürlich werden EBM-Bärbel und Penispiercing-Paul dieses geschmacklose und plump auf Provokation getrimmte Totalnichts abfeiern. Denn schließlich haben BETTELPRINZ alles dabei, wonach das trübe Vakuum in der hohlen Birne so schreit: pappige Drumcomputer-Beats, eine penetrante Sprechstimme der Marke „feiger Spanner im Gebüsch direkt nach selbst vollzogenem Heißwachs-Einlauf“, flachste Setzbaukasten-Riffs, etwas blecherne Stampferei, klebriges Pathos, eine Hupfdohle, die das Brunfthirschgrollen mit semmelblöden Flötentönen flankiert, sowie unfassbar jämmerliche Texte. Mal wird in beschämender Art und Weise das Ritzen propagiert, mal geht es um eine Dummheit, die „tut so weh, sie ist so rein und weiß wie Schnee“, und mal hält sich der Frontlurch für so böse, dass Mütter ihre Kinder vor ihm verstecken.
Um das hier schnell zu Ende zu bringen und das Elend möglichst umgehend wieder zu vergessen: „Ritz dich“ ist mit riesigem Abstand die kümmerlichste auf Tonträger gepresste Bankrotterklärung des Jahres. Wenn ihr Jenny, Blackbull und - aua! - Dr. Psycho.Path je erblicken solltet: Schickt sie lebenslänglich in jene Gegend, die ihr selbst niemals besuchen möchtet. Sibirien oder so.


Wolf-Rüdiger Mühlmann 0.0

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