ReviewAlbum

Band
TREEDEON 
Kategorie
Album 
Heft
RH #370 
Titel
Under The Manchineel 
Erscheinungsjahr
2018 
Note
6.5 

Exile On Mainstream/Soulfood (44:55)
Dass TREEDEON nichts für schwache Nerven sind, machte das Trio aus Berlin vor fast drei Jahren mit seinem „Lowest Level Reincarnation“-Debüt, einem zentnerschweren Wutbatzen aus Sludge-, Doom-, Noise-Rock- und einigen wenigen Hardcore-Elementen, bereits mehr als deutlich. Von daher ist es nur konsequent, dass die Combo um Ex-Jingo-De-Lunch-Frontfrau Yvonne Ducksworth (b./v.) und den ehemaligen Bandleader der Flensburger Noise-Rocker Ulme, Arne Heesch (g./v.), in puncto Destruktivität auf „Under The Manchineel“ noch einen draufsattelt. Etwa mit sperrigen Anti-Hymnen wie ´Breathing A Vein´, dem recht flotten ´No Hell´ oder der Quasi-Titelnummer ´Manchineel´. Absoluter Höhepunkt des depressiven Treibens ist aber ein gut 16-minütiger, nahezu unverdaulicher SloMo-Brocken namens ´Wasicu´, der einem das Blut in den Adern gefrieren und selbst die Doom-Master Saint Vitus wie Chorknaben aussehen lässt. Die Gesangs-, besser: Schreiduelle zwischen Yvonne und Arne tun ihr Übriges, um aus der zweiten TREEDEON eines der bedrohlichsten, apokalyptischsten Alben der letzten Zeit zu machen.
4 Fragen an TREEDEON-Frontfrau Yvonne Ducksworth:

Yvonne, wer oder was verbirgt sich hinter dem Begriff „Manchineel“?

»Ein Manchinelbaum - lateinische Bezeichnung: Hippomane mancinella - ist eine sehr giftige Pflanzenart. Wenn man heutzutage die Nachrichten verfolgt, hat man ständig das Gefühl, dass die Menschheit gerade unter so einem gefährlichen Baum sitzt. Dabei sollte man das auf keinen Fall tun, weil sein Saft schlimme Verbrennungen und Blasen verursacht, und wenn man einen dieser Manchinels verbrennt, kann der Rauch sogar zum Erblinden führen.«

Wer entscheidet, wer welche Nummer singt?

»Bei einigen Songs ist das keine bewusste Entscheidung. Bei Nummern, bei denen wir beide singen, fängt Arne normalerweise an, und ich übernehme dann den Chorus. Auf alle Fälle streiten wir uns nicht, sondern machen, was besser klingt - oder wer schneller ist.«

Wird es irgendwann zu einer zweiten Jingo-De-Lunch-Reunion kommen, oder hat sich das Thema seit eurer letzten Auflösung im Jahr 2012 endgültig erledigt?

»Sorry, nein. Und sorry, ja.«

Was sagt ihr als „politische“ Band zu Trump & Co.?

»Den Opener ´Cheetoh´ haben wir zwar nicht extra für Trump geschrieben, aber der Hut passt (lacht).«


Uwe "Buffo" Schnädelbach 6.5

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